martes, 11 de diciembre de 2007

Bolivien ist eine andere Welt

Nun denn, ich berichte ein wenig von meiner bisherigen Reise. Oft wuerden Bilder mehr sagen als Worte, aber noch kann ich nicht uploaden.

Die Ueberfahrt von Chile nach Bolivien war bitter. Vor allem bitter-kalt. Des Nachts, durch die bolivianische Hochebene, ohne Heizung, bei kaputten Fensterscheiben, ohne Toilette, in einem Uraltbus vollbepackt mit bolivianischen Familien und ihren Habseligkeiten, unzaehlige unnoetige Stops und stundenlanges Warten an der Grenze, bis diese erst einmal aufgemacht hat. Im Vergleich zu den komfortablen, zuegigen Ueberlandfahrten in Chile war das ein ziemlicher Kontrast. Unsere erste Station in Bolivia war der beruehmte Salzsee von Uyuni, ueber den wir eine eintaegige Tour gemacht haben. In der Stadt Uyuni wurde ich das erste Mal mit den Cholitas vertraut, die fuer Bolivien charakteristisch sind. Als Cholitas werden die indigenen Frauen bezeichnet, die - obgleich sie sich in der Stadt niedergelassen haben moegen - ihre traditionelle Kleidung tragen und stets etwas in ihren schoenen Rueckentuechern tragen (Ware oder Kind).

Von Uyuni ging es nach Potosí, einer Bergbaustadt auf ueber 4000 Meter Hoehe. Sie war vor wenigen Jahrhunderten die groesste Stadt der Welt (groesser als Paris, London etc) und aufgrund reichhaltiger Silbervorkommen auch eine der reichsten. Dank des Silberrauschs stehen dort heute noch viele schoene und prunkvolle Gebaeude, vor allem Kirchen, aus der Zeit der Kolonisierung. Den Bergbau gibt es ebenfalls noch - und man koennte meinen, an den Arbeitsbedingungen unter Tage haette sich nichts geandert seit waehrend der spanischen Herrschaft 8 Millionen Eingeborene und Schwarze dort den Tod fanden. Wir haben die Mine einen Vormittag lang besichtigt. Kaum Licht, Boden voller Matsch, Laufen nur gebueckt oder Kriechen, Abbau mit Pickel und Foerderwaegen, die von Arbeitern an Seilen gezogen werden, giftige Gase, Temperaturen bis 45 Grad, keine Essenspausen waehrend der 8-stuendigen Schichten. Die Minenarbeiter sterben gewoehnlich im Alter von 40-45 Jahren an Verstaubung der Lungen. Trotzdem ist die Arbeit fuer viele Bolivianer attraktiv, weil sie dort relativ gut verdienen, oder wenn sie Glueck haben sogar zu Reichtum kommen. Dennoch bitter. Die schwere Arbeit und den Verzicht auf Nahrung unter Tage ertragen die Arbeiter durch das Kauen von Coca. Natuerlich haben wir diese Droge, die keine ist, auch probiert. Angeblich hilft sie gegen die Hoehenkrankheit, die sich in meinem Fall mit leichten Kopfschmerzen und Schwindel bemerkbar gemacht hat. Um Unfaelle zu vermeiden, opfern die Minenarbeiter Coca, Alkohol, Zigaretten und Lama-Foeten dem Teufel, der in der Mine durch eine skurille Statue verkoerpert wird. Mit seinen Traditionen und niedrigem Entwicklungsstatus bietet Bolivien einen echten Kontrast zum "mitunter postmodernen Chile".

Von Potosí nach Sucre, der de jure Hauptstadt Boliviens. Als "weisse Stadt" oder "Athen Boliviens" wird sie von vielen als die Schoenste des Landes gepriesen. Es mag an der sonntaeglichen Verschlafenheit der Stadt gelegen haben, dass ich gar nicht sooo entzueckt von ihr war. Schoen ist sie doch. Aber besser verschlafen als in dem Zustand von vor einer Woche, als bei den Demonstrationen gegen die Regierung und die neue Verfassung bzw. fuer die "Wiedermachung zur de facto Hauptstadt drei Demonstranten umkamen und 500 verletzt wurden. Die aktuelle Politik Boliviens und die sozialen Transformationsprozesse unter dem ersten indigenen Praesidenten Evo Morales und seiner "Bewegung zum Sozialismus" waeren ein Thema fuer sich, aber ich bin da kein Experte.

Von Sucre nach La Paz, der de facto Haupstadt. La Paz ist die Hostie! Abertausende von unverputzten Haeusern, geworfen in einen grossen Kessel von Huegeln und Bergen. Ein Gedraenge und ein Geschrei, Demos und Polizei. Strassenmaerkte ueber Strassenmaerkte statt auch nur einem Supermarkt, den ich gesehen haette. Hier sieht man auch besonders, das Bolivien das (fast) aermste Land Suedamerikas ist, viele Bettler. Fuer Touristen sind die Preise dort deswegen auch unglaublich guenstig (z.B. einfaches 3-Gaenge Mittagessen 70 Euro-Cent).

Von La Paz aus haben wir heute einen weiteren Touri-Klassiker unternommen, den Mountainbike-Downhill-Ride auf "der gefaehrlichsten Strasse der Welt". (Der reisserische Titel geht auf einen Bericht der inter-amerikanischen Entwicklungsbank aus dem Jahr 1995 zurueck, bezog sich aber auf den motorisierten Verkehr, der heute eine neu gebaute Strasse benutzt). Landschaftlich war es eine runde Sache und dank der schrottigen Fahrraeder hatte die Tour auch ein bisschen was von Abenteuer. Kepa hats geprezelt, aber halb so wild. Muessen ihn halt morgen bei der Besichtigung der Tiwanaku-Ruinen und der Reise zum Titikakasee etwas stuetzen.

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