lunes 17 de marzo de 2008

Schlussworte aus zwischen den Welten

Ich befinde mich im Flughafen von Atlanta, 1 Stunde vor dem Abflug nach Frankfurt.


Heute morgen habe ich noch die Gelegenheit wahrgenommen trotz Übermüdung einen kurzen Abstecher in die Innenstadt von Atlanta zu machen, und damit zum ersten Mal in meinem Leben „imperiales Territorium“ zu betreten. Das CNN-Center in Atlanta konnte ich leider nicht besichtigen, denn vor zwei hat ein Tornado durch die Stadt gefegt, und die Räumungsarbeiten werden noch eine Weile laufen. Überhaupt war die Stadt ziemlich gespenstisch, verwüstet und menschenleer am Sonntag morgen. Die Bevölkerung ist weitgehend schwarzer Hautfarbe. Dem entsprechend waren die Leute wegen ihres typischen Akzents für mich nicht ganz einfach zu verstehen. Viele tragen Ghettoklamotten wie im Film und der ein oder andere hat auch eindeutig einen Schuss. Ich hab dann zufällig noch einer Unterhaltung von – Obdachlosen? Bürgerrechtsbewegungsveteranen? Irren Missionaren? - mehr oder minder passiv beigewohnt. Kommentiert wurden die Tornadoschäden (dieser Teil besonders lebhaft und mit bildhafter Sprache), die Katrina-Nachwehen in New Orleans, der Klimawandel, die Bürgerrechtsbewegung der 60er sowie die politische und ökonomische Situation der USA. Durchaus interessant.


Eine interessante und überaus hitzige Diskussion hatte ich auch gestern noch mit einem Chilenen über die Allende/Pinochet-Problematik. Auf meiner In-Chile-Zu-Tun-Liste hatte mir eine fundierte, unglaublich polemische, wenn auch für mich nicht tragbare Position eines überzeugten Pinochet-Apologeten gerade noch gefehlt.


Es scheint mir praktisch überflüssig zu vermerken, dass ich auch die letzten Tage in Santiago/Valparaiso noch wunderbar und im Kreise vieler Freunde verbracht habe.


Zum Abschluss möchte ich mich noch bei den Leuten bedanken, die meinem Aufenthalt in Lateinamerika zu dem gemacht haben, was er war. Natürlich kann ich stellvertretend nur ein paar Leute nennen. Lesen werden sie das nie:


Andi (Valpo) – für seine Freundschaft, Gastfreundschaft und seinen Irrsinn
Carolina (Valpo) – für die gemütlichen Biere am Hafen, für ihre Offenheit, Lockerheit und Interesse
Iris (Chiclayo) – tja, wofür? Für sie und die fantastischen Momente in Chiclayo
Joshua (Santiago) – für seine extreme Gastfreundschaft und den Spaß, den wir hatten
Kepa (Valpo) – für seine „buena onda al máximo“ und sein ewiges „Hostia, tio!“
Marie-Joelle und den Jungs von PROA (Chiclayo) – für ihre Hilfe und die gute Zeit in Peru
Den Teilnehmern des Freiwilligencamps in Südchile, insbesondere der „Cuadrilla 11“ und Nadia: für meine Chilenisierung und ihre Zuneigung


In diesem Sinne bleibt mir nur noch, diesen Blog mit der „inoffiziellen Hymne Chiles“, einem Klassiker des lateinamerikanischen Rocks zu beenden. Es handelt sich um „Todos Juntos“ von „Los Jaivas“ aus dem Jahre 1973:


http://www.youtube.com/watch?v=Me4gBn3sb48


Hace mucho tiempo que yo vivo preguntándome:
Para qué la tierra es tan redonda y una sola no más?


Si vivimos todos separados, para qué son el ciel y el mar?
Para qué el sol que nos alumbra si no nos queremos ni mirar?



Schon seit langer Zeit lebe ich mit der Frage:
Warum ist die Erde so rund und es gibt auch nur eine?


Wenn wir alle nur für uns leben, warum gibt es dann den Himmel und das Meer?
Wofür gibt es die Sonne, die uns scheint, wenn wir uns nicht einmal ansehen möchten?


Wir sehen uns in Deutschland!...

lunes 3 de marzo de 2008

Die Welt ist nicht mehr dieselbe

Me enamoré de tí, América Latina. Wie haette es auch anders sein koennen? Wie so viele vor mir bin auch ich dem Charme dieses Kontinents und seiner Menschen verfallen (ohne dass ich jetzt die weniger schoenen und die haesslichen Seiten dieses Erdteils ausblenden moechte).

Seitdem ich hier bin, ist die Welt nicht mehr dieselbe.

Erst recht nicht seit gestern: meine... tja, wie soll ich sagen... - Freundin? Mi amor imposible? - hat mich auf die Geburtstagsueberaschungsparty fuer eine Freundin mitgenommen. Selten habe ich gesehen, wie sich Leute so leicht von guter Laune anstecken lassen. Bei der Tanzwut und Tanzkunst der Peruaner kam ich natuerlich etwas ins Schwitzen, aber ein bisschen Erfahrung habe ich jetzt ja schon.

Und auch nicht seit vorgestern: ich hatte das grosse Vergnuegen zusammen mit ein paar Freunden, die sich wundersam vermehrten, einem Doppelkonzert der nobelsten Art zu lauschen und vor allem dazu unter freiem Himmel zu tanzen: die (vermutlich selbsternannenten) "Koenige der Salsa" - Grupo Niche aus Kolumbien - gaben sich mit den "Koenigen der Cumbia"(ebenfalls selbsternannt nehme ich an) - Grupo 5 - in Chiclayo die Ehre. Letztere feierten 35-jaehriges Jubilaeum und sind der Stolz der Region, seit sie vor wenigen Jahren mit ihren Cumbia-Nummern ganz Peru musikalisch zurueckeroberten und die eindringenden Schaaren des Reggaeton nach Chile zuruecktrieben.
Ich muss an dieser Stelle noch ein paar Worte zum Cumbia verlieren. Die Liedtexte dieser aus Kolumbien stammenden Musik sind "siempre más cursi que la chucha" (ich verzichte hier auf eine woertliche Uebersetzung, halte die spanische Fassung aber fast schon fuer Poesie), stets kitschiger als die Wildecker Herzbuben. Mein Lieblingsexempel:

Quien cura el corazon quien lo cura?,
cuando de amor quedas herido no hay alivio que tortura,
quien cura el corazon quien lo cura?,
no hay doctor ni medicina solo un oceano de dudas,
quien cura el corazon quien lo cura?,
solo ella si regresa calmara este dolor...

(Wer heilt das Herz, wer heilt es bloss?,
wenn die Liebe dich verletzt, gibt es kein Schmerzmittel, welche Qual!
Wer heilt das Herz, wer heilt es bloss?,
da hilft kein Arzt und keine Medizin, es bleibt nur ein Meer aus Zweifel,
Wer heilt das Herz, wer heilt es bloss?,
nur ihre Rueckkehr wird diesen Schmerz lindern...)

Fantastisch, nicht wahr? Wer sich davon ein Bild und einen Klang machen will, der besuche http://www.youtube.com/watch?v=J7bU7yl_hsI
Irgendwie ist Cumbia nicht nur wegen der Texte das Pendant zum Schlager, aber auch wieder nicht, denn der Penetrationsgrad und die Popularitaet ist deutlich groesser als beim deutschen Schlager. Vor dieser musikalischen Kulisse laeuft hier alles Leben ab.
Die CDs sind schon gekauft: meine armen Dresdner Mitbewohner, was werdet ihr leiden!! :-p

Puh, und sonst? Die letzte Woche war "beruflich" nicht viel los, die Kids in der Schule hatten eine Woche frei. Ich hab praktisch Ferien gehabt, war mit meinen neuen peruanischen Freunden am Strand etc pipapo. Einen Tag bin ich in ein kleines Dorf im Inland gefahren, um mir dort anzusehen, wie der Reis gerade gesaeht wird. Wunderbar idylisch, aber sicher fuer die Leute dort nicht immer ein Zuckerschlecken. Es ist kein Klischee: die Leute hier in Peru sind wirklich besonders nett und lebensfroh. Ihr merkt schon, fuer die Rueckkehr nach Deutschland und das Wiedereinleben in den Studiumsalltag sind Fernweh-Depressionen vorprogrammiert, aus denen ihr mich nach allen Regeln der Kunst und dem besten der fraenkischen (oder zur Not auch saechsischen) Brautradition heraushieven moeget.

Als Trivium der Woche moechte ich mich noch bei allen Muskelproleten dieser Erde halbherzig entschuldigen: Fitnessstudio ist gar nicht so assi wie gedacht. Ich bin jetzt praktisch Stammkunde, zumindest in Peru. Als Trivium zum Trivium moechte ich noch erwaehnen, dass Tri-vium eigentlich "Ort, an dem drei Wege zusammenstossen" bedeutet.

In einer Woche fliege ich nach Santiago zurueck und 7 Tage spaeter, d.h. am 17. Maerz, wenn Tante Emma sich dann hoffentlich bereits wieder eingekriegt hat, wird eine Boeing 763 aus Atlanta in Frankfurt landen und ein erschoepfter, aber zufriedener Simeon-Antonio-Pichi nach 8 Monaten im freiwilligen Exil wieder deutschen Boden betreten. Antonio? Pichi? So meine neuen Namen. Der ein oder andere erinnert sich vielleicht daran, als ich schrieb, dass Simeón wegen der Pissgeschichte hier keinen so guten Klang hat. Der Name ist leider auch in seinen anderen Varianten tueckisch: Símeon wird hier irgendeine Affenart genannt und wenn ich Simon sage, fangen die meisten Peruaner an, einen alten Gassenhauer ueber einen schwulen Simon anzustimmen. So kommt es, dass ich nicht selten mich als Antonio als spanische Form des guten alten Antons vorstelle. Und Pichi tauften mich ein paar chilenische Freunde in Anlehnung an den Klang von Simi und einen Urlaubsort, an dem wir zusammen waren. Pichi bedeutet "Kleiner" in Mapudungun, der Sprache der Mapuche, der groessten indigenen Gruppe in Chile. Habe ich eigentlich erwaehnt, dass man korpulente Leute hier liebevoll (keine Ironie) mit "Dicker" oder "Dickerlein" anspricht?

Waehrend ich meine Rueckkehr plane, haben sich Grischie, Flo und Omid schon in die weite Welt aufgemacht. Ich hoffe, dass ihr ein ebenso schoenes Auslandssemester wie ich erleben werdet - Gruesse nach Shanghai, Budapest und Buenos Aires! Um mit dem globalen wie lokalen politischen Trend konform zu gehen, habe ich mir mal erlaubt deren Blogs rechtsstehend zu verlinken.

Und damit wirds wieder musikalisch, ich verabschiede mich aus Peru mit Grupo 5:

Te dejo libreee, para que busques - como dices - tu destinooooo, te dejo libreeee...

martes 19 de febrero de 2008

Ohne Titel

Gut in Chiclayo eingelebt. Dass Peru mit Chile nicht zu vergleichen ist, habe ich glaube ich an anderer Stelle schon mal erwaehnt. Um es auf einen Begriff zu bringen: Peru ist viel lateinamerikanischer (auch wenn es schwierig mag sein zu sagen, was denn eigentlich "lateinamerikanisch" ist und was ich mir - sozusagen stellvertretend fuer den Durchschnittseuropaer - darunter vorstelle nicht unbedingt viel mit dem Selbstbild der Suedamerikaner zu tun haben muss hier muesste jetzt ein Verweis auf irgendein Standardwerk zu Identitaetsbildung und Fremdbeschreibung hin). Aermer, heisser, traditionsreicher, dunkelhaeutiger, chaotischer, gefaehrlicher, verdauungstraktbelastender, exotischer koennte ich hinzufuegen. Anschaulicher beschrieben heisst das unasphaltierte Strassen und halbfertige Haeuser, Schrottkarren und Motorradrikschas, ueberfuellte Busse und vermehrten Koerperkontakt, Hupkonzerte, wild entschlossene Verehrerinnen, alltaegliche Eroerterung der Gemuesepreise bei Tische und vor allem: Cu-cu-cuuumbia - jederzeit, allerorts.

Es geht mir also praechtig. Der Karriere als Grundschullehrer steht auch nichts mehr entgegen. Nein, im Ernst, das mit dem Unterrichten klappt einigermassen und macht Spass, manchmal mehr, manchmal weniger, aber immer schweisstreibend. Meine Lehrerkollegen sind jung, nett und verstaendnisvoll mit mir. Natuerlich bin ich Mittelpunkt des Schulalltags. Unangenehm beruehrt war ich am ersten Tage, als mir der Direktor erst einmal einen Beamer in die Hand gedrueckt hat, mit den Worten: "Gestern neu fuer Sie gekauft, damit es an nichts fehle und sie die Kinder mit modernster Technologie unterrichten koennen". Dass ich vom Umgang mit Kindern und Grundschulpaedagogik keinen Schimmer hatte fiel da nicht ins Gewicht. Ein Overheadprojektor, etwas Papier und Farbstifte waeren hilfreicher gewesen. Naja, immerhin kann ich davon ausgehen, dass das mit dem "gestern fuer extra fuer Sie besorgt" ein Scherz war.
Neben dem Unterrichten kriege ich noch ein bisschen was vom Fairen Handel mit, in den meine Organisations-NGO (ich wuenschte mir fiele ein besserer Begriff ein) verwickelt ist. Ich hoffe in diesem oder anderem Zusammenhang waehrend meines Aufenthaltes noch in die Amazonas-Region zu kommen, aber weiss der Himmel, ob das auch hinhaut. Bin ja schliesslich nicht nur zum Reisen da.

Gerissen bin ich das vergangene Wochenende schon ein wenig. Zusammen mit einer Freundin aus Québec nach Cajamarca, einem groesseren historischen Ort in den peruanischen Anden. Historisch z.B. das dortige Treffen des alten Schlaechters Francisco Pizarro mit dem letzten Inka-Koenig Atahualpa und des beruehmt-beruechtigten Folgegeschichte von Festnahme, Bibelablehnung, Goldzimmer, Hinrichtung. Schoen wars in Cajamarca.

jueves 7 de febrero de 2008

Peruuuu

Hmm, kleines Update:
die letzten Tage habe ich mit chilenischen Freunden in Valparaiso und Umgebung, Santiago und Pichilemu, einem Ferienort etwas suedlich von der Zona Central, verbracht. Das war so angenehm, dass ich gut und gerne die letzten Wochen, die mir hier in Suedamerika verbleiben, dort und so haette verbringen koennen. Aber ich hatte mir vorgenommen noch einmal etwas anderes auszuprobieren, und so bin ich seit heute in Chiclayo, Nordperu. Gestern habe ich mir en passant noch in Windeseile Lima angeschaut. Ueber Chiclayo kann ich noch gar nichts sagen, bin erst wenige Stunden da. Nur eins ist sicher: es wird heiss...
Ich bin jedenfalls bei einer netten peruanischen Familie untergebracht. Und was ich hier machen werde: Englisch unterrichten. Morgen werd ich mich in der Schule vorstellen.
Ich bin aufgeregt.

martes 22 de enero de 2008

Helfen und geholfen werden - Freiwilligencamp in Südchile

Die letzten zwei Wochen war ich mit 50 Studenten meiner hiesigen Uni im "kleinen Süden" Chiles, um den Bewohnern der armen, ländlichen Gegend um Río Bueno zu helfen. Ich bin sehr glücklich und zufrieden, dass ich dort mitgemacht habe. Denn mehr als ich dort für andere getan habe, wurde ich selbst dort beschenkt (Jesses, ich schreib ja schon fast wie ebender): ich habe Chile noch einmal ganz anders und intensiver kennengelernt.

Was haben wir dort unten eigentlich getrieben? Ich persönlich war in der Gruppe der "Bauarbeiter" tätig. Andere haben für die Dorfkids Freizeitaktivitäten organisiert, Fahrräder repariert, Tiere&Menschen medizinisch untersucht oder juristischen Rat gegeben.
Unsere eigene Unterkunft war sehr einfach, es handelte sich um die Dorfschule. Die mussten wir erst einmal gründlich putzen, bevor wir uns dort überhaupt niederlassen konnen. Ich habe mir mit 30 Leuten ein Zimmer geteilt, für die ganze Mannschaft gab es nur zwei Warmwasserduschen, das Essen war auch stets sehr bescheiden. Der Witz ist: man gewöhnt sich an alles im Nu (naja zugegeben, meine Essensration habe ich stets durch Früchte und Schokolade aus dem örtlichen Laden aufgebessert). Das ganze Ding war finanziell so knapp ausgestattet und kalkuliert, dass aus Geldmangel sowohl die vorgesehen Strom-Installation im Dorf wie auch Teile unseres Freizeitprogramms gecancelt werden mussten.

Mit meiner sehr netten Arbeitsgruppe zusammen haben wir in der ersten Woche das Haus einer Familie renoviert (vor allem wärmetechnisch mit einfachsten Mitteln isoliert). Die Familie hat weder Strom, noch fliessendes Wasser, noch Gas und nicht ein Buch im ganzen Haus gehabt. Wir haben uns sehr mit den Familienmitgliedern angefreundet, ich vor allem mit dem kleinen César. Einige Tage lang haben uns auch ein Sohnemann und seine Freunde geholfen, sonst hätten wir die Bude auch gar nicht fertig bekommen. Die zweite Woche haben wir dann einen Zaun um eine Kirche herum angelegt und in der Schule gestrichen. Die Familie, bei der wir gearbeitet haben, hat uns aus Dank und Sympathie zum Abschluss ein Schaf gekauft und geschlachtet, dass wir feierlich zusammen gespiesen haben. Die Schlachtung anzusehen war jetzt nicht unbedingt ein Appetitanreger (siehe auch Bilder), aber Vegetarier bin ich trotzdem nicht geworden.

Überhaupt war das ganze "Setting" sehr ländlich. Wunderschöne grüne Wiesen und Wälder, viele Kühe, Schafe und Hühner und der ein oder andere Bilderbuch-Sonnenuntergang. Die Kehrsaite der Medaille für mich: Allergie und Asthma, wie es mich schon lange nicht mehr geplagt hat. Auch konnte ich die Auszeichnung des Meistgestochenen für mich verbuchen.

Als einzigster Ausländer weit und breit hatte ich gar keine andere Wahl, als tief in die chilenische Kultur einzutauchen. Das bedeutete manchmal, dass man sich wegen meiner Sprachschwierigkeiten auf meine Kosten amüsiert hat. Auch bedeutete es mal wieder eine Unmenge des elendigen Reggaeton zu dessem wüsten Perreo ("Hunde-Tanz") ich mich doch mehr als einmal hab überreden lassen. Kompensiert wurden diese Unannehmlichkeiten/Unanständigkeiten durch gelegentliche Salsa-Einlagen, Kicken gegen die Dorfjugend, herzliche und vom deutschen "Onkel" begeisterte Kids und vor allem neue Freunde unter den chilenischen Studenten.

Dank derer und mit ihnen genieße ich gerade meine Tage in Valparaiso, von einer Grilleinladung über Strandbesuch zur nächsten. Bis es mich wieder an einen anderen Ort verschlägt.

Diesmal wieder mit Bildern.
Trabajos Voluntarios en Rio Bueno

miércoles 2 de enero de 2008

Valpo im Ausnahmezustand

Rechtzeitig zu Silvester bin ich nach Valpo zurueckgekehrt. Die Stadt befindet sich im Ausnahmezustand, ganz Chile und halb Argentinien ist angereist, um sich die Feuerwerksshow in der Bucht von Valpo, Viña und Umland anzusehen und dabei noch ein paar Tage am Strand zu relaxen. Die Straende sind voll mit Zelten, die Preise fuer Wohnungen auf dem Cerro haben sich zeitweilig vuerfuenffacht.

Von meinen auslaendischen Kommilitonen aus dem letzten Semester sind nur noch wenige da, die meisten sind inzwischen wieder zu Hause oder auf Reisen. Ich breche uebermorgen wieder auf, mit Studenten von meiner Uni in den Sueden Chiles zu einem Workcamp, Haeuser bauen.

miércoles 26 de diciembre de 2007

Weihnachten ohne Weihnachtsstimmung, aber in guter Gesellschaft

Nazca-Linien en Arequipa besichtigt. Faszinierend, aber aus luftiger Hoehe kleiner als erwartet. Danach haben Borja und ich noch einen Abstecher nach Pisco/Paracas gemacht. Man sieht Pisco noch heute deutlich an, dass es im vergangenen August von einem schweren Erdbeben getroffen wurde. Von dem kleinen Ort Paracas aus haben wir uns die Ballestas Inseln (auch "Galapagos der Armen" genannt) mit ihren Pinguinen, Pelikanen, Seeloewen, Guano und zahlreichen anderen Voegeln angeschaut. Dann ist Borja gen Norden, nach Lima, weitergereist und ich nach Arequipa. Ich hatte das Glueck im Bus einen Mann ohne Bein kennenzulernen, der mich ueber Weihnachten zu seiner Familie eingeladen hat. Zunaechst war mir beim Annehmen der Einladung etwas mulmig zu Mute, aber im Endeffekt war die Familie total nett und ich konnte Weihnachten in guter Gesellschaft verbringen. Mit einem Weihnachten zu Hause war es aber natuerlich nicht zu vergleichen, bei Sonnenschein und ollem "Jingle Bells" Gedudel kommt einfach keine Stimmung auf.
Die Tage in Arequipa habe ich ausserdem mit zwei sehr netten Quebecois verbracht. Heute nacht breche ich noch zu einer eintaegigen Tour in die zweittiefste Schlucht der Erde auf. Danach geht es aber wirklich wieder zurueck nach Chile, wahrscheins mit einem Ein-Tages-Chill-Out an seinen noerdlichen Straenden.

jueves 20 de diciembre de 2007

1000 neue Freunde

"Hola Amigo, pase, pase!...", "Hola Amigo, cómprame algo", "Hola Amigo..." ... wenn ich die Standardanrede der Bolivianer und Perunaer woertlich nehmen wuerde, haette sich mein Freundeskreis inzwischen verhundertfacht.

Seit wenigen Minuten sind wir nur noch zu zweit unterwegs, Borja und ich. Kepa - nebenbei gesagt ein fantastischer Mensch - hat, als wir feststellen mussten, dass es heute keine Busse nach Nazca mehr gab, kurzerhand beschlossen bereits gen Sueden aufzubrechen, um seine fixe Idee, die Wasserfaelle von Iguazu im hintersten Eck Argentiniens zu sehen zu verwirklichen. Zu Silvester in Valparaiso treffe ich den Jungen wieder.

Seit dem letzten Eintrag haben wir viel gesehen und unternommen. Zunaechst haben wir den Hexenkessel La Paz verlassen und uns die Ruinen von Tiwanaku angesehen; Tiwanaku war die bedeutenste Kultur in Peru/Bolivien bevor sie von den Inca verdraengt wurden. Im Vergleich zu Machu Picchu in Peru ist die wichtigste archaelogische Fundstelle in Bolivien aber mickrig. Von dort aus ging es weiter nach Copacabana am Titicacasee. Von der netten Touri-Stadt aus haben wir ein Boot zur Isla del Sol im Titicacasee genommen, wo wir zwei Tage lang wunderschoen wandern waren. Nebenbei muss gesagt werden, dass wir bis zum Uebertreten der Grenze nach Peru unglaubliches Glueck mit dem Wetter hatten. Eigentlich ist Regenzeit - und inzwischen steht Bolivien auch unter Wasser - aber selbst als es auf der Isla del Sol doch einmal ueber uns geregnet und gewittert hat, so war es nicht waehrend unserer Wanderung, sondern nachts waehrend wir gemuetlich schliefen.

Zurueck in Copacabana haben wir am naechsten Tag den Bus nach Puno, Peru genommen. Dort haben wir uns nicht lange aufgehalten, sondern nur schnell die schwimmenden Inseln des Volks der Uro besichtigt, eine Touri-Tour sondersgleichen, aber die Inseln sind dennoch beeindruckend und einzigartig.

Von Puno aus gings nach Cusco, der ehemaligen Hauptstadt des Inka-Reiches. Cusco ist absolut beeindruckend und sehr schoen. Natuerlich auch sehr touristisch, aber wo es so viel erhaltene Prachtbauten der Spanier, schoene Gassen und Inka-Mauern gibt, da kommt halt alle Welt. Von Cusco aus haben wir zunaechst einen Tagesausflug zur Besichtigung einiger Inka-Ruinen im Heiligen Tal in der Naehe der Stadt gemacht. Eigentlich wollten wir das erst nach der Reise zum Machu Picchu von Cusco aus tun, aber da die Busfahrt wegen Blockade der Strasse durch Steinschlag gecancelt wurde, mussten wir einen Plan B aus der Tasche zaubern. Einen Tag spaeter schliesslich haben wir uns zum Machu Picchu aufgemacht und zwar nicht wie die meisten Leute ueber den Weg der Inka (haetten wir gerne gemacht, aber war nicht nur teuer, sondern auch nicht zeitnah moeglich), sondern ueber eine alternative Route. Die Anreise im Bus war aufregend, wie gesagt ist es Regenzeit und deswegen kam es auch an diesem Tag zu Steinschlaegen. Mehrmals mussten/wollten alle Passagiere aussteigen, wenn der Bus gefaehrliche Stellen zu passieren hatte. "Piedras, piedras... corren, corren!" (Steine, Steine, rennt, rennt!) hiess es zu allem Ueberdruss noch, als wir eine solche Stelle zu Fuss ueberquerten. Bevor wir Aguas Calientes, die Stadt am Fusse der Inka-Stadtr Machu Picchu erreichen konnten, mussten wir noch eine Nacht in einer kleinen Stadt, Santa Therese, verbringen. Dort allerdings haben wir es uns gut gehen lassen, erst in die nahegelegenen Thermalbaeder, dann mit ein paar Kanadiern und Basken ordentlich feiern, das einzigste Mal auf der Reise bisher. Da wir viel sehen wollen, sind wir meistens schon direkt nach dem Abendessen muede und es wird auch um halb 7 schon dunkel. Am naechsten Tag sind wir dann noch einige Kilometer mit schoenen Panorama-Ansichten in einem kleinen Bus durch Semi-Regenwald gefahren. Danach fehlten nur noch zwei Stunden Marsch entlang der Bahngleise um Aguas Calientes zu erreichen, wo wir uns das mieseste Hostal des Ortes zum Uebernachten ausgesucht haben. Gespiessen haben wir dort dagegen wie die Koenige. Der Preis von zwei Euro fuer ein gepflegtes Drei-Gaenge-Menu mit Getraenk ist fuer peruanische (Nicht-Touri-)Verhaeltnisse zwar ordentlich (wir pflegen in Peru einfache 3-Gaenge-Menus fuer 30-60 Cent zu essen), aber wer kann sich da beschweren.

Nun denn, heute in aller Fruehe dann schliesslich Aufstieg zum Machu Picchu; sehr anstrengend mit all unserem Gepaeck. Aber es hat sich gelohnt. Zu den Ruinen moechte ich nicht viel sagen, ausser, dass sie zu Recht zu den 7 "neuen" Weltwundern gezaehlt werden.

Statt wie geplant heute werden Borja und ich dann morgen nach Nazca reisen, um uns die geometrischen Figuren dort aus dem Flugzeug anzuschauen. Danach reise ich wahrscheinlich bereits wieder gen Sueden, nach Arequipa zunaechst.

martes 11 de diciembre de 2007

Bolivien ist eine andere Welt

Nun denn, ich berichte ein wenig von meiner bisherigen Reise. Oft wuerden Bilder mehr sagen als Worte, aber noch kann ich nicht uploaden.

Die Ueberfahrt von Chile nach Bolivien war bitter. Vor allem bitter-kalt. Des Nachts, durch die bolivianische Hochebene, ohne Heizung, bei kaputten Fensterscheiben, ohne Toilette, in einem Uraltbus vollbepackt mit bolivianischen Familien und ihren Habseligkeiten, unzaehlige unnoetige Stops und stundenlanges Warten an der Grenze, bis diese erst einmal aufgemacht hat. Im Vergleich zu den komfortablen, zuegigen Ueberlandfahrten in Chile war das ein ziemlicher Kontrast. Unsere erste Station in Bolivia war der beruehmte Salzsee von Uyuni, ueber den wir eine eintaegige Tour gemacht haben. In der Stadt Uyuni wurde ich das erste Mal mit den Cholitas vertraut, die fuer Bolivien charakteristisch sind. Als Cholitas werden die indigenen Frauen bezeichnet, die - obgleich sie sich in der Stadt niedergelassen haben moegen - ihre traditionelle Kleidung tragen und stets etwas in ihren schoenen Rueckentuechern tragen (Ware oder Kind).

Von Uyuni ging es nach Potosí, einer Bergbaustadt auf ueber 4000 Meter Hoehe. Sie war vor wenigen Jahrhunderten die groesste Stadt der Welt (groesser als Paris, London etc) und aufgrund reichhaltiger Silbervorkommen auch eine der reichsten. Dank des Silberrauschs stehen dort heute noch viele schoene und prunkvolle Gebaeude, vor allem Kirchen, aus der Zeit der Kolonisierung. Den Bergbau gibt es ebenfalls noch - und man koennte meinen, an den Arbeitsbedingungen unter Tage haette sich nichts geandert seit waehrend der spanischen Herrschaft 8 Millionen Eingeborene und Schwarze dort den Tod fanden. Wir haben die Mine einen Vormittag lang besichtigt. Kaum Licht, Boden voller Matsch, Laufen nur gebueckt oder Kriechen, Abbau mit Pickel und Foerderwaegen, die von Arbeitern an Seilen gezogen werden, giftige Gase, Temperaturen bis 45 Grad, keine Essenspausen waehrend der 8-stuendigen Schichten. Die Minenarbeiter sterben gewoehnlich im Alter von 40-45 Jahren an Verstaubung der Lungen. Trotzdem ist die Arbeit fuer viele Bolivianer attraktiv, weil sie dort relativ gut verdienen, oder wenn sie Glueck haben sogar zu Reichtum kommen. Dennoch bitter. Die schwere Arbeit und den Verzicht auf Nahrung unter Tage ertragen die Arbeiter durch das Kauen von Coca. Natuerlich haben wir diese Droge, die keine ist, auch probiert. Angeblich hilft sie gegen die Hoehenkrankheit, die sich in meinem Fall mit leichten Kopfschmerzen und Schwindel bemerkbar gemacht hat. Um Unfaelle zu vermeiden, opfern die Minenarbeiter Coca, Alkohol, Zigaretten und Lama-Foeten dem Teufel, der in der Mine durch eine skurille Statue verkoerpert wird. Mit seinen Traditionen und niedrigem Entwicklungsstatus bietet Bolivien einen echten Kontrast zum "mitunter postmodernen Chile".

Von Potosí nach Sucre, der de jure Hauptstadt Boliviens. Als "weisse Stadt" oder "Athen Boliviens" wird sie von vielen als die Schoenste des Landes gepriesen. Es mag an der sonntaeglichen Verschlafenheit der Stadt gelegen haben, dass ich gar nicht sooo entzueckt von ihr war. Schoen ist sie doch. Aber besser verschlafen als in dem Zustand von vor einer Woche, als bei den Demonstrationen gegen die Regierung und die neue Verfassung bzw. fuer die "Wiedermachung zur de facto Hauptstadt drei Demonstranten umkamen und 500 verletzt wurden. Die aktuelle Politik Boliviens und die sozialen Transformationsprozesse unter dem ersten indigenen Praesidenten Evo Morales und seiner "Bewegung zum Sozialismus" waeren ein Thema fuer sich, aber ich bin da kein Experte.

Von Sucre nach La Paz, der de facto Haupstadt. La Paz ist die Hostie! Abertausende von unverputzten Haeusern, geworfen in einen grossen Kessel von Huegeln und Bergen. Ein Gedraenge und ein Geschrei, Demos und Polizei. Strassenmaerkte ueber Strassenmaerkte statt auch nur einem Supermarkt, den ich gesehen haette. Hier sieht man auch besonders, das Bolivien das (fast) aermste Land Suedamerikas ist, viele Bettler. Fuer Touristen sind die Preise dort deswegen auch unglaublich guenstig (z.B. einfaches 3-Gaenge Mittagessen 70 Euro-Cent).

Von La Paz aus haben wir heute einen weiteren Touri-Klassiker unternommen, den Mountainbike-Downhill-Ride auf "der gefaehrlichsten Strasse der Welt". (Der reisserische Titel geht auf einen Bericht der inter-amerikanischen Entwicklungsbank aus dem Jahr 1995 zurueck, bezog sich aber auf den motorisierten Verkehr, der heute eine neu gebaute Strasse benutzt). Landschaftlich war es eine runde Sache und dank der schrottigen Fahrraeder hatte die Tour auch ein bisschen was von Abenteuer. Kepa hats geprezelt, aber halb so wild. Muessen ihn halt morgen bei der Besichtigung der Tiwanaku-Ruinen und der Reise zum Titikakasee etwas stuetzen.

sábado 8 de diciembre de 2007

Unterwegs

Bin seit einer Woche mi tzwei Kommilitonen von der iberischen Halbinsel, Kepa und Borja, unterwegs durch Nordchile, im Moment Bolivien und in einigen Tagen Peru. Bisher war die Reise super, wir sehen viel interesantes. Bolivien ist eine andere Welt! Aber darueber schreibe ich, wenn ich mehr Zeit habe...

viernes 30 de noviembre de 2007

Como si la vida fuera para siempre... chao Valpo!!!

Es ist aus! Ich verlasse die Perle des Pazifiks morgen früh und reise mit Borja und Kepa gen Norden. Hilfe, wie schnell die Zeit verging. Die letzten Wochen hab ich unter ziemlichen Stimmungsschwankungen gelitten, zwischen euphorischen und depressiven Phasen, in denen ich viel daran dachte, was ich nicht alles hätte besser machen können hier, was ich verbockt hab, was nicht hat sollen sein. Ahora: nada de eso. Ich bin nur dankbar, für die schöne Zeit, die ich hier hatte. Seit Wochen schon geh ich bewusster durch die Straßen und weiß jetzt schon, wie ich diese Stadt vermissen werde. Valpo ist einmalig. Aber ich komme ja noch einmal für ein paar Tage her.

In der letzen Woche hier hatte ich noch ein Schlüsselerlebnis: ich hab auf dem Markt eine Zwiebel geschenkt bekommen! Klar, das klingt bescheuert, aber nachdem ich mich schon an den Gedanken gewöhnt hatte, dass man mich als Ausländer hier bei jeder zweiten Gelegenheit prellen würde, war das irgendwie eine nette Geste. Vorgestern Nacht hab ich mich "künstlerisch" oder besser gesagt vandalistisch in Valpo verewigt. Gestern war ich mit Andreas in Quintay, einem nahe gelegenen schönen Strandort zum Fischessen und am Strand. Gestern und heute sind außerdem noch diverse Abschiedsfeiern (gewesen). Vor ein paar Minuten haben meine Mitbewohner und ich zum Abschied nochmal lecker Fisch gekocht und gegessen.

Chao Valparaiso!

Mein Lieblingsvandalimus in Valpo

Últimos Días en Valpo

martes 20 de noviembre de 2007

Wurde auch Zeit

Nach 3 Monaten in Chile bin ich zum ersten Mal im chilenischen Fernsehen zu sehen gewesen, vergangenen Freitag in den 21-Uhr-Nachrichten. Wie's dazu kam: ich war mit zwei Kommilitonen in Santiago um eine kleine Doku über peruanische Einwanderer in Chile zu drehen. Just als wir die Peruaner an der Plaza de Armas interviewten, hat die Polizei drei von ihnen festgenommen, was unter den Peruanern Protest hervorrief, weil es bei einem der drei sich um ihren Fürsprecher und Präsident der Inmigrantenvereinigung handelte (dem auch nichts vorwerfen zu war). Wir filmten das ganze bzw. waren Teil der aufgebrachten Menge. Das chilenische Fernsehen war selbst zufällig vor Ort, hat dann aber für die Nachrichtensendung auch auf unser Filmmaterial zurückgegriffen.

Ansonsten hier alles ruhig; Uni liegt in den letzten Zügen, es mehren sich die Tage, an denen ich an den Strand gehe. Vorletztes Wochenende war ich mit meinem Mitbewohner und drei seiner Kletterfreunde in einem nahegelegenen Nationalpark, wo wir des Nachts marschiert sind und gezeltet haben, siehe Fotos.

Von der miesen Ernährung und dem dekadenten Leben eines Austauschstudenten habe ich etwas Speck angelegt. Ich versuche dem inzwischen durch Leibesertüchtigung entgegenzuwirken, aber wenn der Dampfer erst einmal gekentert ist...

La Campana

lunes 5 de noviembre de 2007

Hüpfer über die Anden

Ich kann es kaum glauben: der letzte Monat meines Studiums beginnt. Noch ein paar Prüfungen, Referate, Hausarbeiten, dann hat sichs ausstudiert in Valpo. Wie die Zeit vergeht!

Das vergangene Wochenende, verlängert durch Allerheiligen, habe ich mal wieder reisend zugebracht. Diesmal gings zusammen mit Andreas, einem deutschen Kommilitonen, nach Mendoza, einer größeren Stadt in Argentinien jenseits der Anden. Da ich eine Mandelentzündung mit mir rumschleppte, haben wir die Tage auf sehr entspannte Weise verbracht. Deswegen mussten wir uns auch die an sich obligatorische Verköstigung der weltberühmten Weine entgehen lassen. Übernachten konnten wir günstigerweise bei Bekannten, zwei Deutschen und einer Französin, die dort studieren.

Ganz anders als die chilenischen Städte, die ich kenne, ist Mendoza eine grüne Stadt. Die Strassen sind durchgehend mit großen Bäumen gesäumt, die einem bei der Hitze Schatten spenden und der Stadt ein lauschiges Flair verleihen. Außerdem gibt es einen Park, der fast halb so groß ist wie die Stadt selbst.

Auf Empfehlung unserer Gastgeber haben wir am Gottesdienst einer brasilianisch-christlichen Gemeinde mit kernigem Einschlag Exorzismus teilgenommen. "Weiche Dämon, weiche!", brüllte der Pfarrer - oder besser: Animateur - stets ins Mikrofon, während die Gläubigen und wir durch das Spalier der Diener, welche einem die Hand auf den Kopf auflegten, durch die Kirche wandelten. Die Atmosphäre lässt sich nur schwer beschreiben; die "Predigt", die die Pfarrer oder eben Moderatoren ins Mikrofon schmetterten glich eher einer Radio-Show. Nun, ich wollte noch will ich mich über den Glauben der Leute lustig machen. Jedenfalls liegt der Kultus dieser christlichen Gemeinde auf der Expressivitäts-Skala am den Lutheranern gegenüberliegenden Ende. Der Gottesdienstbesuch endete vorzeitig mit einem kleinen Skandal. Andreas fühlte sich von den Handauflegern bedrängt, die ihn nicht losliesen, da sie davon überzeugt waren, dass in ihm ein Dämon hauste. Sie verfolgten ihn noch mehrere hundert Meter durch die Strassen von Mendoza.

Argentinien hat gegenüber Chile den ein oder anderen Vorzug. Es ist super billig, die Leute sind viel besser zu verstehen, entspannt, und irgendwie kultivierter. Und ein argentinisches Asado (Grillen) mit saftigem Steak ist unvergleichlich. Die Argentinier nennen ein kümmerliches Grillfest übrigens Asado chileno. :-p

Normalerweise würde ich diesen fantastischen Reisebericht natürlich mit dem ein oder anderen Bild garnieren, aber ich habe den Eindruck, dass mir meine Kamera auf der Rückreise aus dem Rucksack geklaut wurde, oder wo zum Henker steckt sie?!

domingo 28 de octubre de 2007

Im "kleinen Süden"

Die letzte Woche habe ich mir von der Uni eine Auszeit gegönnt und bin alleine mit dem Bus in den "kleinen Süden" Chiles gereist. Die Gegend zwischen Valdivia und der Insel Chiloé zeichnet sich vor allem durch zwei Dinge aus: schöne Natur (viel grün) und den Einfluss deutscher Einwanderer aus dem 19. und 20. Jahrhundert. So kommt es einem in dem ländlichen Idyll voller Schafe, Rinder, Pferde und Zottligem manchmal vor als wäre man im Alpenvorland, in der Schweiz oder wo auch immer. Ich hatte ziemliches Glück mit dem Wetter in der ansonsten recht verregneten Region. Aber ich will nicht viele Worte verlieren, untenstehend ein paar Bilder.

Reise in den kleinen Süden und Chiloé

lunes 15 de octubre de 2007

Chucha

Nur ein paar Kleinigkeiten, kurzes Briefing sozusagen.

Den Englischunterricht hab ich gecancelt, weil ich den Kopf grad nicht mehr recht frei hab dafür und auch gar nicht mehr viele Male blieben. Ausserdem hatte ich das Gefühl, dass ich Freitag nie recht motiviert sein werde, früh aufzustehen, da das Wochenende hier Donnerstag abend beginnt.

Nett ist, dass meine Mitbewohner mal wieder eine künstlerische Ader haben. Pancho zupft elegant die Gitarre, spricht furchtbar undeutlich, raucht zuviel und schreibt gerade seine Diplomarbeit in Biochemie. America, so der Name meiner Mitbewohnerin, schreibt Gedichte und malt und liest viel. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob ich ihren Sinn für Ästhetik teile. Sie war es gewiss auch, die eine Wohnzimmerwand mit dem bedeutungsschwangeren Satz "When will you start to see yourself through the grave?" geschmückt hat.

Ach ja, und dann kann ich noch berichten, dass meine sozialen Kontakte hier mitunter wahnsinnig oberflächlich sind. Die "Schuld" dafuer, wenn man das so nennen moechte, kann ich bestenfalls teilweise darauf schieben, dass ich mich den hiesigen Verhaeltnissen angepasst haette. Es haengt auch einfach mit dem "Erasmus-Leben" zusammen, das ich hier fuehre, d.h. vor lauter Kontakten und Moeglichkeiten komme ich kaum dazu, einzelne Bekanntschaften zu vertiefen. Etwas bedenklich finde ich ebenfalls, dass ich - weiss Gott warum - hier immer mehr schwule Bekannte und Freunde habe. Nicht dass das an sich ein Problem fuer mich waere, aber bei dem Gedanken, dass man mich deswegen ebenfalls für schwul hält, ist mir nicht ganz wohl.

Valpo, Wohnung, Santiago

viernes 12 de octubre de 2007

Gute Lüfte

Die letzte Woche habe ich mir eine kleine Auszeit von der Uni genommen und bin mit Kepa (Baske), Ramon und Rolando (Mexiko) nach – hach, wer hätts erraten – Buenos Aires gereist. Der sechs Tage haben wir allen zwei volle für die Anreise im Bus verbraten. Es wäre viel gewonnen, wenn die Busgesellschaften nicht immer die allermiesesten Filme zeigen würden.

Buenos Aires, genannt „Hauptstadt des Tangos“ oder „Paris Südamerikas“, hat mir super gefallen und ich bedaure, dass wir nur 3 Tage dort sein konnten und so die Stadt nur oberflächlich kennenlernen konnten. Tausend Dank geht an Rinili (Kommilitonin aus Dresden), die mich trotz Saure-Gurken-Zeit spontan bei sich aufgenommen und gütigst umsorgt hat. Sie hat uns auch am ersten Abend gleich mal auf eine schöne argentinische Sause mit Livemusik im Wohnzimmer geschleppt. Die restlichen Abende haben wir ruhig verbracht und unsere Energie aufs Sightseeing tagsüber verwendet, die verschiedenen Viertel abklappernd.

Die Argentinier bzw. insbesondere die porteños (Bewohner von Buenos Aires) stehen in dem Ruf besonders eingebildet zu sein. Fragt ein Argentinier einen Spanier: „Welches Land ist dem Himmel am nächsten?“ Darauf der Spanier, genervt: „Bestimmt Argentinien, richtig?“ „Nein, Uruguay.“ (Argentiniens Nachbarland). Kleiner Scherz am Rande, ne. Im Übrigen muss gesagt werden, dass die argentinischen Frauen ausgesprochen hübsch sind, das erklärt den vermeintlichen Stolz der Argentinier mit Recht bestimmt zur Hälfte.

Einen Tag haben wir dann schließlich noch in Rosario verbracht, der Geburtstadt des Herrn Ernesto Guevara de la Serna. Der Zufall wollte es, dass wir genau an seinem 40. Todestag vor seinem Haus standen, wo denn auch ein paar Leute sich versammelt hatten, um dem großen Idol Lateinamerikas zu huldigen.

Kurz vor der Argentinien-Reise hab ich noch einen eintägigen Abstecher nach Santiago gemacht, um bei einer Messe europäischer Universitäten auszuhelfen. Dabei hab ich zufällig chilenische Kommilitonen getroffen und hab mit denen noch einen netten Abend verbracht. Santiago selbst fand ich jetzt nicht berauschend, nicht nur wegen der riesigen Smogglocke nicht. 1:0 für Buenos Aires!

Buenos Aires

martes 2 de octubre de 2007

Neuland

Vorgestern bin ich schlussendlich umgezogen. In letzter Sekunde habe ich mich für eine andere Wohnung als die im letzten Eintrag umrissene entschieden. Die Tage zuvor ist mir meine Entscheidungsschwäche in solchen Dingen ganz schön bewusst geworden. Gleichzeitig habe ich gespürt, dass ich das Leben hier etwas gelassener sehe und das gefällt mir. Die Wohnung in der ich jetzt wohne, ist auch nicht gerade perfekt (etwas weiter ab vom Schuss, noch kein Internet und, was mir bei der Besichtigung nicht auffiel: kein Tageslicht in meinem Zimmer). Aber das Gute ist, dass ich einen guten ersten Eindruck von meinen Mitbewohnern habe, denn schließlich ist es mir wichtiger mit netten Leuten zusammen zu leben als in einer tollen Wohnung. Meine neuen Mitbewohner sind Pancho und Meri, zwei Chilenen. Matthew lebt nun bei Borja, Marta und Aurora; eine Option, die mich wenig reizte.

Vergangenen Freitag habe ich das erste Mal beim Englischunterricht in einer Schule assistiert (es gibt ein Regierungsprogramm, das anglophone Muttersprachler oder Leute, die gut Englisch können, für die Unterstützung eines chilenischen Lehrers im Englischunterricht zu gewinnen versucht). Es ist nicht so, dass ich von meinen ersten Erfahrungen dort hellauf begeistert bin; nennen wir es eine Herausforderung. Der Unterrichtsstil oder das „Klassenklima“ unterscheidet sich schon deutlich von dem, was ich aus Deutschland/Bayern/Lauf kenne. Es werden eifrig während der Stunde Handytöne abgespielt und im Grunde macht jeder, was er will (so kam es mir zumindest vor; vielleicht gibt es subtilere Verhaltenscodizes, die mir bisher entgingen). So überrascht es auch wenig, dass die Englischkenntnisse der Schüler, im Alter von etwa 17, ziemlich fatal waren. In meiner ersten Klasse habe ich mich noch auf Englisch vorgestellt, aber aufgrund der weit aufgerissenen Augen und dem allmählichen Gemurmel in der zweiten Klasse gleich davon abgesehen. Schon jetzt ist mir klar: mein Wirken dort wird eine Gratwanderung zwischen (1) mich auf die Schüler einlassen (impliziert offenbar vulgäre Themen) und (2) sicherstellen, dass sie den Respekt vor mir wahren und auch ein bisschen was lernen. Soviel dazu, mal schauen wie's weiter geht.

Und noch eine Mini-Neuerung: ich bin jetzt wieder im Besitz meines eigenen PCs, meines Laptops, der kurz vor meiner Ausreise den Geist aufgab. Wem verdanke ich das? Meinem Bruder Joni und vor allem Maria, einer Dresdner Kommilitonin, die am Wochenende in Chile ankam. Mit ihr habe ich denn das Wochenende verbracht, ein bisschen Sightseeing, ein bisschen schlemmern auf dem Cerro Alegre.

Am Wochenende war außerdem eine heiß ersehnte Party von Freunden aus dem Baskenland und Mexiko, die mich allerdings eher kalt ließ. Obwohl ich auch für die Uni dieser Tage das ein oder andere tun muss (Zwischenprüfungen, Hausarbeiten), bin ich praktisch ständig unterwegs, abends und auch sonst.

Ich schließe mit der Bemerkung, dass dies der erste Eintrag ist, bei dem mir ständig spanische Formulierungen in die Quere kommen und ich erst den jeweils passenden deutschen Ausdruck suchen muss. ¡Qué bien!

Valpo 5

domingo 23 de septiembre de 2007

Fiestas Patrias

Bin seit 3 Tagen wieder zurueck von der Reise in den Norte Chico (kleiner Norden, d.h. nicht wirklich im Norden des Landes, sondern nur etwas noerdlich von der Zona central). Zu neunt (Matthew, 3 Spanier, 2 Basken, 1 Mexikaner, 1 Franzoesin und ich) haben wir mit einem gemieteten Bus und einem gemieteten Auto einen verpeilten Campingurlaub verbracht. Zunaechst hatte ich daran keinen Spass, weil mich Marta gehoerig nervte, aber das legte sich. Anlaesslich der Nationalfeiertage haben wir auf verschiedene Weise chilenische Folklore mitgenommen. Zum Beispiel haben wir uns ein Rodeo, den chilenischen Nationalsport, angeschaut. Dabei muessen zwei berittene Huasos (chilenisches Pendant zu Cowboy) eine Kuh auf bestimmte Art und Weise gegen eine Wand draengen. Dem Anschein nach ist das fuer die Kuh nicht besonders angenehm, aber von der Brutalitaet, die man spanischen Stierkaempfen nachsagt, ist das Spektakel dann doch recht weit entfernt. Ausserdem haben wir noch die Fabrikationsanlagen eines Pisco-Herstellers besichtigt und natuerlich auch Pisco getrunken. Das tut man in erster Linie in den Ramadas, dem traditionellen Ort der Feierlichkeiten, wo natuerlich Cueca und Reggaeton getanzt wird. Wie die Chilenen waehrend der ganzen Woche haben wir auch einmal schoen gegrillt (asado). Nebenbei bemerkt ist das ganze Land, Haeuser und Autos, waehrend der Feiertage extrem beflaggt. Aber das ist vermutlich fuer alle Nationalitaeten ausser den Deutschen nichts besonders auffaelliges. Ferners waren wir noch in einem Observatorium. Der Himmel ueber Chile (oder ueber Lateinamerika) ist naemlich besonders klar und man sieht mehr Sterne als irgendwo sonst (und andere als in der noerdlichen Hemisphaere). Die Fuehrung im Observatorium war aber eher mies.
Ganz witzig war noch, dass ich eines abends aus Versehen ein paar Chilenen gefragt habe, ob sie nicht Schlaege wollen, was aber nicht der Fall war. Das kam so: die Basken gebrauchten staendig und fuer alles das Wort Hostia; Standardverwendung: es la hostia, tio! (woertlich: es ist die Hostie, Onkel). Da ich den inflationaeren Gebrauch dieses Wortes recht witzig fand und aber den genauen Sinn nur erahnen konnte, habe ich selbst ein bisschen experimentiert und so kam es zu Buscan hostias?! (sucht ihr Hostien? = wollt ihr Schlaege?).
Fuer den Rueckweg nach Valparaiso haben wir dann mehr als doppelt so lang wie fuer den Hinweg gebraucht, weil wir unbedingt auf einem super-schlechten Weg durch eine menschenleere Halbwueste fahren mussten.

Das Wetter ist uebrigens seit einiger Zeit angenehm warm. Gestern nachmittag habe ich doesend am Strand in Viña verbracht und dabei festgestellt, dass diese Stadt auch ihre guten Seiten hat. Mit der Waerme hat aber auch die Flohplage begonnen, vor der man mich schon gewarnt hat.

Ansonsten muss ich sagen, dass ich gerade ein bisschen Heimweh habe. Die Tage anfaenglicher Euphorie sind ja eh laengst verflogen. Dazu kommt, dass fuer die Uni jetzt immer mehr zu machen ist. Das wird mir, ebenso wie zum Beispiel das Schreiben dieses Blogs dadurch erschwert, dass es mir nicht gelungen ist, den PC von seinen vielen Trojanern zu befreien, so dass der PC staendig zickt und spinnt. Ausserdem muss ich naechste Woche umziehen, und das bereitet mir ein bisschen Unbehagen, denn ich habe mich fuer ein Zimmer entschieden, das wahrscheinlich einen dramatischen Verlust an Komfort bedeutet (keine Waschmaschine, 1 einziger Kochtopf, direkt ueber einem Pub, ausserhalb der Viertel Cerro Alegre und Cerro Concepción, hoffentlich mit Internet). Und nur, um mit einer Spanierin und Chilenen zusammenzuleben, die ich noch gar nicht kenne und die vielleicht kaum da sind. In jedem Fall muss ich mich nochmal neu einleben. Mal schauen, im Zweifelsfall ziehe ich halt naechsten Monat wieder woanders hin.

Fiestas Patrias en La Serena y el Valle del Elqui

viernes 14 de septiembre de 2007

Geschichten aus dem Alltag


Als Allende 1972 die Nationalisierung der Gran Minería del Cobre... Nein, keine Sorge, ich hoere schon auf mit der Geschichte und Politik Chiles. Wer will kann ja in den Geschichtsbuechern oder Wikipedia nachlesen. Der heutige Eintrag ist dem Alltag gewidmet.

Letzte Woche bin ich mit dem Studiengang Ingenería Comercial fuer eine Nacht aufs Land gefahren, um dort zu essen, sporteln und zu feiern. Unter den Disziplinen der Jahrgangswettkaempfe haben mir Armdruecken und Cueca-Tanzen am besten gefallen. Ersteres hatte so einen herrlich archaischen Touch, die Meute bruellend um die Kontrahenten gedraengt, deren Gesichter schmerzverzerrt und natuerlich alles unterlegt mit dem Intro von Eye of the Tiger. Kriegt man in unseren Breiten ja kaum noch zu Gesicht, sowas. Cueca ist der chilenische Nationaltanz (oder auch eine weitere Tradition, neben dem Pisco-Schnapps, die man Peru geklaut hat). Es hat etwas erheiterndes zu beobachten, mit welcher Inbrunst die chilenische Jugend zwischen Reggaeton und anderen Modetaenzen, den traditionellen Cueca tanzt. Bei diesem Paartanz umwirbt der Herr die Dame, indem er mit einem weissen Tuch wedelnd um sie herum trippelt. Gracioso.

Ein Gutteil der vergangenen Woche, aber in keinem kausalen Zusammenhang zum beschriebenen Paseo, musste ich dann krankheitsbedingt das Bett hueten. Zwischendrein habe ich noch meine ersten zwei Pruefungen hier abgelegt. Eine davon war ein Kinderspiel, man durfte sogar die Power-Point-Folien aus der Vorlesung mit in die Pruefung bringen. Den gestrigen Test in Neuropsychologie dagegen habe ich ordentlich in den Sand gesetzt. Sollte ich keinen Idiotenbonus kriegen wird das mein erster Rasslbock seit der Wiedervereinigung, eine Situation an der ich mich bestens erheitern kann.

Weniger erheiternd ist gerade das Thema Wohnungssuche. Unsere Vermieterin Luz gibt die Wohnung naemlich zum 1. Oktober auf, so dass Matt und ich gezwungen sind, uns was neues zu suchen. Mit Luz verstehe ich mich gerade recht gut, mit Matt ist das Verhaeltnis abgekuehlt. Er kann aus mir unerfindlichen Gruenden Luz nicht leiden und zieht sich voellig aus der Hausgemeinschaft zurueck. Wenn die Suche ein glueckliches Ende gefunden hat, werde ich davon berichten.

Ich habe ja schon davon erzaehlt, dass man hier auf der Hut sein muss, wenn man sein Hab und Gut behalten moechte. Das gilt nicht nur fuer Diebe, auch der gemeine Geschaeftsmann und Strassenhaendler nimmt einen gerne mal aus. Mein neulicher Rekord war es, zwei kruepplige gruene Bananen fuer 400 Pesos zu kaufen. Spaeter ist mir aufgefallen, dass man fuer 300 Pesos ein ganzes Kilo saftig-gelber Dinger kriegt. Selber schuld, wuerde ich sagen. Im Supermarkt passiert einem sowas natuerlich nicht. Da passieren aber andere befremdliche Rekorde. Wie man sich vorstellen kann, ist das Umweltbewusstsein im Alltag der Chilenen noch nicht so verankert wie bei uns. Daran, dass jeder Einkauf in 10 Plastiktueten abgepackt wird, gewoehnt man sich. Aber als eine Einpackerin letztens eine einzelne Flasche Wasser in eine Tuete gepackt hat und diese Tuete dann wieder in eine Tuete gepackt hat, hab ich dann doch etwas gestaunt.

Manchen Chilenen bringt uebrigens mein Name zum Schmunzeln. Sí-meón, kann mann naemlich als "Ja, Pisser" verstehen. Oder meón ist jemand, der oft auf Toilette muss, was bei mir dann wieder passen wuerde.

Was ich bisher verpasst habe, war die Wochenenden zum Verreisen zu Nutzen. Ab morgen aendert sich das. Bevor wir fuer 5 Tage die chilenischen Nationalfeiertage sieben Stunden noerdlich von hier verbringen, versuche ich noch den PC hier von einem Schwadron trojanischer Pferde zu befreien, die wohl dafuer verantworlich sind, dass meine Bekanntschaften hier ueber meinen MSNMessenger mit wirren bis anzueglichen Botschaften versorgt werden.

miércoles 12 de septiembre de 2007

Der andere 11. September

Vorgestern jaehrte sich zum 34. Mal der "andere 11. September", der Militaerputsch in Chile im Jahr 1973. An diesem Tag endete abrupt die Praesidentschaft Salvador Allendes, dem ersten demokratisch gewaehlten marxistischen Praesident der Welt. Er nahm sich im Praesidentenpalast La Moneda das Leben, waehrend Kampflugzeuge des Militaers unter Fuehrung des Generals Pinochet das Gebauede bombardierten. Carlos, mein Lehrer im Fach 'Chilenische Kultur', hat uns Videoaufnahmen davon gezeigt, sehr beeindruckend. Die wirtschaftliche Lage in Chile war waehrend des sozialistischen Experiments Allendes sukzessive gespannter, um nicht zu sagen prekaerer, geworden (Hyperinflation). Zu den ersten wirtschaftlichen Massnahmen Allendes gehoerte das Ausgeben von einem halben Liter Milch pro Tag an jedes chilenische Kind. Die wesentlichen strukturellen Massnahmen aber waren eine Bodenreform, Verstaatlichung und Nationalisierung (vor allem der profitablen Kupferminen). Waehrend die Verstaatlichung (ohne Entschaedigung) die wirtschaftliche Elite des Landes gegen die Regierung aufgebracht hat, erzuernten die Nationalisierungsmassnahmen die ehemaligen US-amerikanischen Besitzer der Rohstoffunternehmen. Die Regierung Nixon reagierte auf Allendes Chile mit wirtschaftlichen Sanktionen. Umstritten ist, welche Rolle die CIA im Militaerputsch gespielt hat. Was nach 73 folgte, waren 17 Jahre Diktatur, mit zahlreichen Faellen von Folter und anderen Menschenrechtsverletzungen und 3000-5000 Verschwundenen beziehungsweise Ermordeten. Auch darueber hat uns Carlos heute eine sehr eindrueckliche Videodokumentation gezeigt.

Soweit die heutige Geschichtsstunde. Warum ich erzaehle ich das alles? Nicht nur, weil Chiles politische Vergangenheit besonders interessant ist (es gaebe noch mehr zu erzaehlen, schliesslich ist die Geschichte noch wesentlich komplexer) , sondern weil der Militaerputsch noch heute die chilenische Gesellschaft spaltet. Die Vergangenheit wirft noch ihre Schatten in die Gegenwart und wird zugleich verdraengt.
Inwiefern? Zum Beispiel ist die Verfassung, die 1980 waehrend der Diktatur angenommen wurde, noch in Kraft. Inzwischen wurde sie aber ihrer meisten antidemokratischen Elemente bereinigt. Die demokratischen Regierungen nach 1990 sind vorsichtig mit der Aufarbeitung umgegangen oder konnten manches nicht aendern, weil der Einfluss der Militaers noch gross war. Pinochet zum Beispiel war noch bis 1998 Chef der Armee und Senator auf Lebenszeit. Eine offizielle "echte" Verurteilung der Diktatur steht noch aus, ebenso wie eine effektive Bestrafung einiger Taeter. Das Thema Pinochet wird in der Oeffentlichkeit auch nur vorsichtig diskutiert. Warum? Eben weil die Gesellschaft noch immer gespalten ist und die Parteien noch unversoehnlich sind. Was die Anhaenger Pinochos betrifft, so gibt es freilich nur noch wenige der Sorte, die sagen: "Alles war super - wenn es ueberhaupt Tote und Folter gab, dann haben diese Kommunisten es verdient". Viel groesser ist de Anteil derer, die Pinochet unterstuetzt haben und nun zwar befremdet sind, nachdem sie erfuhren, was alles geschehen ist, die aber sagen: "Es gab 1973 halt keine bessere Alternative als den Militaerputsch. Was dann passiert ist, ist dumm gelaufen. Aber wirtschaftlich hat das Land ja profitiert und oeffentliche Ordnung gabs auch. Koennen wir das Thema nicht einfach vergessen?".

Am 11. September also wird in Chile dieses einschneidenden Ereignisses gedacht. Ich hatte in einem frueheren Blogg vollmundig angekuendigt, dass es an diesen Tagen in Chile heiss hergeht, mit Protesten, Demonstrationen und Streiks. Weit gefehlt. In Valparaiso zumindest war gestern ausser einer kleinen Demo, die zu 80% von Kommunisten getragen wurde, nicht viel los. In der Hauptstadt Santiago war das anders. Aber insgesamt war es wohl dieses Jahr ruhiger. Meine Vermieterin Luz meinte, dass die Leute allmaehlich die Hoffnung aufgegeben haben, dass die Geschichte aufgearbeitet wird bzw. das Interesse verloren haben. Ein deutscher Filmemacher, den ich gestern in Santiago getroffen habe, meinte dagegen es brodelt. In Santiago vielleicht.

domingo 2 de septiembre de 2007

3 mal Glueck und einmal Pech

Inzwischen hat man dreimal versucht mich zu berauben, und dreimal hab ich Glueck gehabt, aber meine Begleiter leider nicht immer. Dass ich zusammen mit Matthew ueberfallen wurde und er seinen Geldbeutel los wurde hab ich ja schon erzaehlt.
Letzte Woche bin ich mit Andreas, einem anderen deutschen Studenten, die Huegel hinaufgestiegen, um eine schoene Aussicht auf die Bucht von Valpo zu haben. Die Aussicht war auch wirklich super. Es ist bekannt, dass je hoeher man die Huegel hinauf steigt es gefaehrlicher wird bzw. einfach aermere Leute dort wohnen. Jedenfalls haben wir einen Chilenen kennengelernt der uns herumgefuehrt hat und sich mit uns unterhalten hat. Schlussendlich wollte er dann ein Foto von mir und Andreas mit Andreas´ Kamera machen. Andreas war leichtsinnig genug ihm die Kamera zu geben. Ich konnte den Typen leider nicht mehr einholen.
Als ich dann gestern von Valpo mit dem Bus in die Nachbarstadt Viña del Mar gefahren bin kam es dann nochmal zu einem Zwischenfall. Als ich beim Busfahrer bezahlt hab, hat man mich darauf aufmerksam gemacht, dass ein Typ hinter mir meine Rucksacktaschen durchforstet. Sogar als ich mich umgedreht habe hat er glaub ich noch weiter gemacht. Jedenfalls hatte er meine Fotokamera in der Hand. Zu meinem Glueck hat er sie aber irgendwie in den Bus fallen lassen und als wir losfuhren ist er abgehaut. Glueck fuer mich.
Viña, das ist Valpos Nachbarstadt und Alter Ego. Die Stadt ist sicherer, touristischer, neuer, mit Hotels und Bettenburgen, Strand und grossen Geschaeften und Geschaeftsketten (die es in Valpo ja nicht/kaum gibt). Es heisst die eine Stadt koennte ohne ihren Gegenentwurf nicht existieren. Uebrigens leben alle US-amerikanischen Austauschstudenten in Viña und alle europaischen in Valpo (dort allerdings im besten Viertel).

Heute hatte ich dann etwas Pech. Wollte mit Fabian, einem deutschen Austauschstudenten, in die Anden Ski fahren gehen. Es stellte sich heraus, dass wir beiden die einzigen Skifahrwilligen in einem Bus voller chilenischer Familien waren. Der Bus ist zu spaet los gefahren und hat mehrmal laenger gehalten, vor allem aber wurden alle Busse 5 km vor dem Skigebiet gestoppt. Der Tag hat eindruecklich die Grenzen zwischen reich und dem Rest aufgezeigt. Alle Leute, die mit dem Bus kamen mussten sich eben damit begnuegen ein wenig im Schnee zu tollen. Einzelne Autos wurden zum Skigebiet durchgelassen, das nur aus einem einzigen grossen Hotel besteht, das ein US-Amerikaner dort hingepflanzt hat. Per Anhalter sind wir beide dort auch noch hingekommen (das war schon ziemlich schwierig, denn obwohl viele Autos Platz hatten, haben sie uns nicht mitgenommen). Angesichts der fortgeschrittenen Zeit in Kombination mit dem Umstand, dass es nur Tagespreise fuer Snowboard und Skipass gab haben wir uns entschlossen, die Gelegenheit fuer eine Stunde in den Anden Ski zu fahren saussen zu lassen und lieber auf der Terasse des Hotels zu chillen. Ich bin sicher, dass dem Organisator der Fahrt bekannt war, dass man uns nicht durchlassen wuerde. Die chilenischen Familien jedenfalls haben sich auf der Rueckfahrt mit Spottliedern ueber den Busfahrer gut getroestet.

Letzten Freitag kam mir erstmals der Verdacht, dass der eigentliche "Kulturbruch" an ganz unverhoffter Stelle auftreten koennte. Beim Weggehen. Die Chilenen sind naemlich alle verrueckt nach Reggaeton. Das wird rauf und runter gespielt und ist fuer mich schon manchmal recht anstrengend. Bevor ich Freitag in einen Club gegangen bin war ich noch Chorrillana essen und in einer Karaoke-Bar. Chorrillana, das ist ein chilenisches Nationalgericht, das in Valparaíso erfunden wurde und recht gut in das Bild passt, das ich bisher vom chilenischen Essen gezeichnet habe. Die Basis sind Pommes Frites, daruber gebratene Eier und allerlei Fleisch. Ganz lecker aber irre fett und fuellend. Die Karaoke-Bar war dann wirklich bitter was Musik und das Etablissement selbst angeht, aber die ChilenInnen sind natuerlich ausgeflippt vor Begeisterung. Haette man selbst erleben muessen.

Portillo

viernes 31 de agosto de 2007

Der Winter geht zur Neige

Pueees, fast zwei Wochen sind seit meinem letzten Eintrag vergangen. Langsam kommt in men Leben hier ein wenig Routine rein. Was soll ich da erzaehlen? Kann es sein, dass je laenger man nicht schreibt, desto weniger es zu berichten gibt?

Zunaechst einmal muss ich den Verlust eines Mitbewohners, Borja, beklagen. Der ungestueme Spanier ist zu zwei Freundinnen in der Nachbarschaft gezogen. Ohne unsere Vermieterin davon zu informieren. Die war ziemlich sauer. Matt und ich haben ihr inzwischen beigebracht, dass wir beide in ein paar Wochen eventuell auch ausziehen wollen, weil uns erstens die Spanisch-Praxis abgeht und die Wohnung auch kein absolutes Schnaeppchen ist. Aber das ist alles Zukunftsmusik, so richtig Lust was Neues zu suchen haben wir auch nicht und eigentlich geht es uns hier ganz gut. Schade ist halt, dass wir nicht mehr wie mit Borja jeden abend zusammen kochen oder Video schauen oder sowas. Matt hat gerade fuer eine Woche seine Freundin zu Besuch und ist glueckselig.

Richtige chilenische Freunde habe ich noch nicht gefunden. Aber ich hab jede Menge Leute kennengelernt und mich viel unterhalten. Lerntechnisch praktisch ist uebrigens, dass man hier (in Suedamerika) auf Kosten der zusammengesetzten Vergangenheitsform sehr viel den ungleich schwereren Indefinido benutzt, so dass ich dessen Formen endlich einmal lerne.
Ich habe ja bereits erwaehnt, dass die Chilenen nicht zu Unrecht in dem Ruf stehen Auslaendern gegenueber besonders offen und freundlich eingestellt zu sein, vergass aber den Zusatz "solange es sich nicht um Staatsangehoerige seiner drei Nachbarlaender handelt". Gegen Peru und Bolivien hat Chile im vorletzten Jahrhundert zwei Kriege gefuehrt und den Laendern kostbares, weil rohstoffreiches, Territorium abgenommen, und insbesondere Bolivien den Meereszugang abgenommen. Mit den Argentiniern ist das Verhaeltnis etwas entspannter, aber es bestehen politisch-ideologische Differenzen (vereinfacht Chile: neoliberal, USA-nah; Argentina: populistisch, mit Chavez' Venezuela alliert) und beides sind stolze Nationen. Die Chilenen darauf, dass Musterlaendle Suedamerikas zu sein (politisch stabil, hoechster Lebensstandard, bestaendiges Wirtschaftswachstum, im Korruptionsranking gleichauf mit Belgien - aber eine unverarbeitete Diktatur).

Verwundert hat mich heute, dass dass Postwesen in Chile offenbar kaum ausgebaut ist bzw. irgendwie anders funktionieren muss. Jedenfalls scheints in ganz Valparaiso nur ein klitzekleines Postbuero zu geben, in dem nicht einmal Umschlaege verkauft werden und das den einzigen Posteinwurfkasten enthaelt. Es koennte natuerlich sein, dass das Land so eine altmodisches System wie das Postwesen technologisch einfach uebersprungen hat. Wie bereits erwaehnt gibt es hier ja auch ueberall W-Lan. Und mehr Handys als Festnetzanschluesse.

Letztes Wochenende war ich mit ein paar Freunden, hauptsaechlich Basken, zum Wandern im Nationalpark La Campana. Die Luft, so rein! :-p Wir sind gluecklicherweise auch alle wieder gesund nach Hause gekommen. Abends bin ich fast staendig unterwegs - mal Jazz, mal Kino, mal Disse, mal gemuetlich, mal Hausparty, mal Konzert, Mal te.

Ein besonderes Schmankerl war letztens der Gastvortrag von "Charquipunk", einem der bekanntesten Graffiti/Streetart-Kuenstler Valparaisos , den mein Spanischlehrer in unsere Unterrichtsstunde eingeladen hat. Er hat erzaehlt, dass Valparaiso auch in seiner Branche den Ruf hat ein Paradies zu sein. Es war sehr interessant von ihm einen Einblick in die "transnationale, semi-subversive Szene" mit ihren verschiedenen Stroemungen und Entstehunglinien und die kollaborative Arbeitsweise der Kuenstler zu bekommen. Fotos von Wandmalerein in Valpo untenstehend. Die Abbildung einer Katze bedeutet, er hat mitgemalt.

Der nahende September ist in Chile traditionell ein besonderer Monat. Eine Woche lang werden Fiestas Patrias gefeiert. Am 18. jaehrt sich die Einberufung der ersten Junta de Gobierno im Jahr 1810 und damit dem Beginn des Unabhaengigkeitsprozess (von Spanien). Zusaetzlich politisiert wird der Monat durch den Jahrestag des Militaerputsches am 11. September 1973. Da werden auch schon mal die Universitaeten besetzt.

Cuídense (machts gut)!

Murales in Valpo

Valpo 4

domingo 19 de agosto de 2007

Ausflug nach Laguna Verde

Noch ein ruhiges Wochenende. Heute sind Matthew, Borja, ich und zwei Maedels aus Frankreich und Spanien an einen kleinen, versteckten Strand gefahren. War etwas abenteuerlich ihn zu erreichen, aber hat sich gelohnt. Das Wasser ist natuerlich viel zu kalt um zu baden. Fuer den Rueckweg vom Strand zur Busstation hatten wir das Glueck, dass uns ein Transporter auf seiner Ladeflaeche mitgenommen hat. Auf der Rueckfahrt im Bus habe ich dann einen aelteren Herrn kennengelernt und mich mit ihm ueber die Pinochet-Zeit unterhalten; er selbst war Anhaenger. Aber ueber all diese Dinge ein andermal mehr.

Ob das nun gut oder schlecht ist: ein echter Kulturschock will sich nicht so richtig einstellen. Die Chilenen sind halt doch verkappte Europaer. Chile hat auch einen viel geringeren Anteil an Indigenas als andere suedamerikanische Laender, und Schwarze wurden praktisch gar keine hier her gebracht. Es scheint, als ob die Chilenen Auslaendern gegenueber besonders freundlich eingestellt sind. Was meine Bekanntschaft von letzter Woche angeht, hatte das aber doch einen besonderen Grund (denn ich im vorletzten Blog schon angedeutet hatte). Ausserdem gibt es natuerlich Ausnahmen von der auslaenderfreundlichen Haltung. Matthew beispielsweise wurde gestern ausgeraubt ( hat aber nicht so viel verloren).
Vielleicht habe ich mich aber auch einfach gut auf meinen Aufenthalt hier vorbereitet. Hatte ja schon einiges gelesen und auch ein wenig Chilenismen gelernt. Und Spanisch (dank Armando, Mini und meinen Eltern!).

Sonntagsausflug nach Laguna Verde

sábado 18 de agosto de 2007

Gespraech am Kuechentisch

[Gespraech mit der Putzfrau, in der Kueche. Unterhaltung kommt auf meine Eltern]
Sie: Hast du sie schon angerufen?
Ich: Ja, aber im Moment kann ich sie nicht erreichen. Meine Eltern sind gerade in Afrika.
Sie: Is gut, mein Kind. [putzt weiter]

viernes 17 de agosto de 2007

Lateinamerika-Stereotyp 1

Gerade eben habe ich auf dem Heimweg von der Universitaet gesehen, wie sich ein junges Maedchen einfach auf eine Kreuzung gestellt hat, als die Ampeln rot waren, und angefangen hat Fahnen an Schnueren zu schleudern (also irgendeine Art von Jonglierkunst dargeboten hat; weiss nicht, wie die heisst). Dafuer hat sie dann von den Autofahren im Vorbeifahren Geld bekommen, als die Ampel wieder gruen wurde.

(Der Leser moege den geringen Unterhaltungs- und Informationswert dieser Zeilen fuer ihn entschuldigen. Eintraege wie diese sind geschuldet der Tatsache, dass ich diese Blog auch fuer mich als Erinnerung und Panorama meiner Eindruecke schreibe).

Valpo 3

domingo 12 de agosto de 2007

Neues aus Valpo

Letztes Wochenende hat sich zum ersten Mal so etwas wie Ernuechterung eingestellt, was unter anderem mit oben stehendem Firlefanz zusammen hing. Ich sass naemlich allein zu Hause und musste schon fuer die Uni arbeiten, waehrend meine Mitbewohner auf Snowboards die Anden hinunter rasten. So vor dem PC kauernd habe ich mein erstes "Erdwackeln" (Bezeichnung fuer ein kleineres Erdbeben) in Valparaíso erlebt. Sonntags war ich aus Neugier in einem Gottesdienst, in der lutherischen Kirche neben meiner Wohnung (siehe Fotogalerie). Abgesehen von der anderen Sprache und kleineren Abweichung in der Liturgie sind mir nur zwei Unterschiede zu protestantischen Gottesdiensten in Deutschland aufgefallen: eine etwas "endzeitlichere" Gestik und Mimik des Pfarrers und dass der Wein beim Abendmahl in kleinen Schnapsglaesern serviert wurde statt im Kelch. Viele von den Kirchgaengern glichen bis ins letzte Detail deutschen aelteren Damen und Herren. Sie sprachen auch perfekt deutsch - waren aber Einwanderer der vierten Generation.

Mit dem Eintauchen in die chilenische Kultur klappts schon so langsam. Letztens waren wir in einer Bar, El Gato de la Ventana, und haben da eine chilenische Band gehoert, die traditionelle chilenische Songs gespielt hat. Un poco rojo (etwas linksgerichtet)schienen sie mir, wie Armando sagen wuerde. Toller Abend.
Die Chilenen sind auch weiterhin nett. Als ich letztes einen Typen kennengelernt hab, hatte ich bei so viel Interesse und Freundlichkeit sogar ein wenig Bedenken, dass er schwul ist. Waere ja nicht das erste Mal gewesen, dass ich sowas nicht merken wuerde und dadurch in heikle Situationen kaeme. Die chilenische Gesellschaft ist recht konservativ, man sieht zum Beispiel keine homosexuellen Paare auf der Strasse, da kann man schon mal bei einem "toleranten Europaeer" anklopfen. War aber natuerlich nicht so, und wir haben mit seinen Freunden einen super Abend verbracht.

miércoles 1 de agosto de 2007

Stadt der Hunde

Lieber Leser,

es freut mich, dass du dich wieder auf meiner Seite eingefunden hast. Mach es dir bequem und lies, was ich von Valparaiso und meinem Leben in Chile berichten kann.

Valparaiso ist ohne jeden Zweifel die Hauptstadt der Strassenkoeter, herrenlosen Toelen und keifenden Streuner. Die sich ungehindert vermehrende Brut solcher Kreaturen praegt das Stadtbild. Sie sind ueberall. Sie liegen am hellichten Tage auf den Plaetzen und Buergersteigen und schlafen. Mancheiner dieser obdachlosen Hunde kann einem schon Leid tun.

Wie bereits in meiner E-Mail angedeutet, gibt es auch einige Menschen, deren aeussere Lebensumstaende nicht gerade blendend erscheinen. Dabei ist Chile ja das reichste Land Suedamerikas - wie schaut es dann an anderen Orten aus? Andererseits: Obdachlose und Penner gibt es ja auch in jeder europaeischen Grossstadt. Abgesehen von Arbeitslosen und Obdachlosen frage ich mich auch, wie die, die Arbeit haben zu Recht kommen. Die eine Haelfte der Chilenen, so scheint es, verkauft fuer wenige Pesos irgendwas seltsames (meist als essbar deklariert) auf der Strasse oder in den Micros (Stadtbus). Kaufen sehe ich aber kaum jemanden. Die andere Haelfte ist in Restaurants und im Supermarkt angestellt und tritt sich dort gegenseitig auf die Fuesse. Bei der grossen Anzahl an Angestellten, kann ich mir kaum vorstellen, dass die Stundenloehne riesig sind. Etwas nervig ist uebrigens, dass man fuer jede Kleinigkeit, die man kauft gleich eine Rechnung in die Hand gedrueckt bekommt. Eine einzige Zettelwirtschaft, dieses Chile.

Valparaiso ist vom Flair her in gewisser Hinsicht mit der Dresdner Neustadt zu vergleichen. Wahnsinnig viele Mauern und Haeuser in meinem Viertel (Cerro Alegre und Cerro Concepción) sind bemalt und es haben sich viele Kuenstler hier niedergelassen. Dazu passt auch die Anekdote, dass McDonalds sein Restaurant, das es hier vor einigen Jahren eroeffnen wollte, aufgrund von Studentenprotesten wieder dicht machen musste.
Die Cerros Alegre und Concepcion gehoeren wie gesagt zu den besseren Gegenden in Valpo. Deswegen gibt mir die Tatsache, dass zwei franzoesische Kommilitonen vor zwei Tagen hier am hellichten Tage bewaffnet ueberfallen wurden, besonders zu denken. Ein solches "Abenteuer" wird mir hoffentlich nicht widerfahren.

Weit davon entfernt, in die Herzen der Chilenen schauen zu koennen, muss ich mich bei der Beschreibung dieser Menschen vorerst auf einige Aeusserlichkeiten beschraenken.
Mich hat ueberrascht, dass tatsaechlich jeder Chilene kohlrabenschwarzes Haar hat. Natuerlich ist das mal wieder etwas uebertrieben, aber ich hatte jedenfalls die Eintoenigkeit der Einfarbigkeit nicht so plastisch vor Augen.
Eine zweite Beobachtung ist, dass die Chilenen rauchen, was das Zeug haelt. Angeblich hat das Land den hoechsten Anteil an weiblichen Rauchern der Welt, aber das habe ich nicht ueberprueft.
Drittens geht der Trend zur Uebergewichtigkeit. Hier stehe ich wieder auf dem Boden empirisch fundierter Erkenntnisse, wenn ich erwaehne, dass nur 1.5 Prozent der Bevoelkerung sich gesund ernaehren. Fruechte und Gemuese, obwohl leicht und guenstig verfuegbar, stehen offenbar nicht in ausreichendem Masse auf dem Speiseplan. So ist denn Gorda/Gordita (Dicke/Dickerchen) hier auch Kosename Nummer 1. Wie ich es von mir selbst aus Deutschland kenne, greift man auch hier schon oefters mal zu einem Comida Rápida. Dieses FastFood aber scheint mir noch weniger gesund zu sein als unser guter Doener. Und fuer jedes Fastfood-Objekt gilt: extra viel Mayo, extra viel gruener Schleim. [Heut' liebe Mama habe ich dagegen schoen brav Fisch gegessen, den Borja fuer uns bereitet hat.]

Was die Uni angeht, sind meine ersten Eindruecke widerspruechlich. Einerseits tauchen teilweise weder chilenische Studenten noch Professoren zu ihrer ersten Vorlesung im neuen Semester auf. Und wenn eine Veranstaltung statt findet, dann mit einer Viertelstunde Verspaetung. Andererseits ist die technische Ausstattung (nicht die Raeumlichkeiten - Jody sprach hier von grosser Aehnlichkeit mit einer Stierkampfarena) der Uni besser als ich erwartet hatte und der Service der Professoren teilweise professioneller als ich es aus Dresden kenne. Heute war ich in einem Kurs, Economía Internacional, der mir eindeutig zu professionel und anspruchsvoll erschien. Fuer viele chilenische Univeranstaltungen reicht es anscheinend nicht aus, am Ende des Semesters eine Vorlesung zu schreiben oder vielleicht ein Referat zu halten und ein wenig zu lesen. Stattdessen beziehungsweise zusaetzlich gibt es mehrere Klausuren und Referate, die uebers Jahr verteilt sind, ergaenzt um woechentlich einzureichende Zusammenfassungen. Es soll aber auch weniger arbeitsintensive Kurse geben ;-p Mit Blick auf Kurse wie den oben genannten koennte es aber passieren, dass ich recht bald den Schalter von "laessigem Sprachurlaub" auf echte Arbeit umstellen muesste.

Bisher kann davon nicht die Rede sein. Gestern abend war ich zum ersten Mal im Piedra Feliz, dem Klassiker fuer abendliches Amusement in Valparaiso. Mit Matthew bin ich vor ein paar Tagen nach Isla Negra gefahren und hab mir dort das Lieblingshaus Pablo Nerudas (chilenischer Literaturnobelpreistreager) angeschaut. Der Skurrilitaet und Exotik seiner Privatsammlungen nach muss er ein unglaublich exzentrischer Typ gewesen sein. Morgen fahren Matthew, Borja und ich ein wenig in die Natur noerdlich von Valpo. Weitere Reisen sind in Planung, darunter vielleicht ein wenig Boarden in den Anden. Ich hab mich aber, was die Dimensionen dieses Kontinents und damit meine Reisemoeglichkeiten angeht, im Uebrigen etwas verschaetzt. Allein um in den Norden Chiles zu gelangen faehrt man 30 Stunden mit dem Bus. Da bleibt offen, ob ich Laender wie Kolumbien oder Venezuela zu Gesicht bekommen werde. I doubt it.

So Chicas y Chicos ich begebe mich in Richtung Tiefkuehltruhe. Die Zeitverschiebung zwischen Chile und Deutschland betraegt uebrigens 6 Stunden, die Chile hinterher hinkt.

Valparaiso 2

sábado 28 de julio de 2007

Die erste Woche in Valparaíso

Liebe Daheimgebliebenen,

in Ergaenzung und Wiederholung zu meiner ersten Rundmail berichte ich hier von meinen ersten Eindruecken und Erfahrungen in Chile. Beginnen wir wie einem guten Smalltalk mit dem Wetter: Es ist kalt, aber nicht so kalt wie erwartet. Obwohl es in Chile ja gerade Winter ist, hat die Sonne mich an einigen Tagen schon ins Schwitzen gebracht. Das macht Hoffnung fuer den Sommer. Heute aber beispielsweise scheint sie nicht und dementsprechend kalt ist es auch in der Wohnung, denn geheizt wird in Chile nicht. Ein Glueck, dass ich dem Ratschlag, einen Schlafsack und eine Winterjacke mitzunehmen, gefolgt bin, sonst wuerde ich nachts ganz schoen frieren. Ich wohne jetzt nicht mehr im Keller, sondern in einem kleinen Zimmer im Erdgeschoss bei "La Luz". Gewissermassen bin ich damit vom Regen in die Traufe gekommen, denn zur Kaelte kommt jetzt Laerm aus Kueche, Bad und von der Strasse hinzu. Aber ich will mich nicht beklagen und hab vorsorglich schon mal Ohropax besorgt. Wusstet ihr uebrigens, dass man das Klopapier in Suedamerika oft nicht hinunterspuelen darf, sondern wegschmeissen muss? Meine Unwissenheit hat den Bewohnern der Calle Abtao 549 Dpt. A gleich mal zwei verstopfte Klos beschert.

Meine Mitbewohner, das sind Matthew aus Kanada, Borja aus Spanien und LaLuz, unsere Vermieterin aus Chile. Matthew hab ich hier gleich zu Beginn kennengelernt und mit ihm verstehe ich mich praechtig, ein wirklich witziger Kerl. Zu unserem Glueck ist vorgestern Borja eingezogen, so dass wir nicht nur Englisch reden koennen. Vielleicht kann ich ja nach diesem Semester als Dolmetscher Englisch-Spanisch bewerben. Am meisten ueberrascht hat mich, dass ich die Chilenen einigermassen verstehe, Fischmarktweiber und Busfahrer natuerlich ausgenommen. In seiner Funktion(slosigkeit) dem saechsischen "Nu" vergleichbar, sagen die Chilenen staendig "ja" und "po". Meinen Ohren viel genehmer!

Zur Uni sind es von meiner Wohnung etwa 40 Minuten zu Fuss oder 20 Minuten mit dem Bus. Das Bussystem ist fuer mich voellig undurchsichtig und ich bezweifle stark, dass sich daran in den naechsten Monaten noch etwas aendern wird. Jedenfalls kann man jederzeit in diese Dinger einsteigen und muss nicht nach Haltestellen suchen, was ja eigentlich ganz praktisch ist. Um zur Uni oder zu Geschaeften zu kommen, muss ich mich erst einmal bergab begeben, denn mein Zuhause liegt wie fast ganz Valparaiso auf Huegeln (Cerros). Nur ein schmaler Streifen Land direkt am Meer ist flach und "normal" bebaut. Die Cerros sind uebersaeht mit vielen kleinen bunten Haeusern, die sich teilweise auf skurrile und wenig vertrauenserweckende Weise an die Haenge anschmiegen. Viele von ihnen wurden glaube ich schon x-mal wieder errichtet, denn die Stadt hat offenbar unzaehlige Erdbeben hinter sich. Nach einem anstrengenden Tag in der Uni, oder vollgepackt mit Einkaeufen, erspare ich mir dann manchmal den Wiederaufstieg und nehme lieber einen der uralten Ascensores (Mini-bergbahnartige Aufzuege), fuer die Valparaiso beruehmt ist.

Die Betreuung an der Uni ist super. Leider schaut es so aus, als ob ich aufgrund von Ueberschneidungen nicht meine Wunschkombination an Kursen besuchen kann, aber das ist nicht so wild. Mal schauen, wie ich meine akademischen Verpflichtungen noch durch Sportangebote und andere Aktivitaeten ergaenzen kann. Gestern abend haben unsere Monitoren, also die chilenischen Studenten, die uns beim Einleben und Einschreiben helfen, eine Bienvenida Fiesta fuer uns internationale Studenten organisiert. Die war allerdings eher 0815. Hoffenlich kann ich dem Latino-Dancefloor-Geseihe mal noch mehr abgewinnen oder treffe auf besseres. Das war jetzt natuerlich ein bisschen hart ausgedrueckt, "aber ihr wisst, dass ich Rescht hab". Die Chilenen, die ich bisher getroffen habe, kamen mir alle total nett vor, aber vielleicht war das auch nur der Jetlag und die Ueberwaeltigtheit, die mich zu dieser Einschaetzung verleiten, denn eigentlich sind Chilenen ja "insoportables". Fakt ist aber auch (um mit Karl Augusts Worten zu sprechen), dass der Kulturschock mir erst noch bevorsteht und dass von Immersion in die chilenische Kultur und Gesellschaft auch noch keine Rede sein kann. Bisher ists ja mehr so Sprachkurs-Atmosphaere. Die internationale Studentenschaft setzt sich zu 99% aus US-Amerikanern zusammen (mal wieder ein bisschen uebertrieben) und der Rest kommt aus Deutschland, Mexiko, Frankreich, Kanada, Oesterreich, Italien, Spanien und Norwegen.

Das Essen? Etwas seltsam. Was bei uns der Doener ist, ist hier eine Empanada (fritiertes Sandwich oder sowas) oder ein Completo (Hotdog mit unglaublich viel Majonaisse und giftgruenem Schleim - angeblich Avocado). Essen gehen ist relativ billig, Essen im Supermarkt kaufen relativ teuer. Das Bier ist hier leider weder besonders gut noch besonders preiswert. Das genaue Gegenteil gilt fuer Wein und Pisco, das chilenische Nationalgetraenk. Apropos Fluessignahrung: ich habe hier die ersten Tage voellig vergessen ausreichend Fluessigkeit zu mir zu nehmen. Von meinem dehydrierten Zustand habe ich nur zufaellig dadurch erfahren, als ich mich bei Matthew ueber die Sproede meiner Lippen beklagte. Zweites Symptom ist uebrigens eine satte Faerbung des Urins, aber fuer euch, die ihr teils viel mehr Sport als ich macht, duerfte das, hab ich mir sagen lassen, keine neue Tatsache sein. Jedenfalls habe ich jetzt eine grosse Flasche Wasser neben mir stehen.

Da wir schon bei den Herausforderungen des praktischen Lebens angekommen sind: hat jemand einen Tipp, wie ich meine Klamotten von lauter Taschentuchfetzen befreien kann? Hab naemlich eine Packung Taschentuecher aus Versehen mit in die Waesche geschickt. Das Zeug haftet wirklich gut und von bis ich von Hand jeden Fetzen abgeschabt haette, waere mein Rueckflug auch schon wieder verfallen. Also, Hausfrauen und Hausmaenner bitte voran...

Pasándolo chancho en Chile