domingo, 23 de septiembre de 2007

Fiestas Patrias

Bin seit 3 Tagen wieder zurueck von der Reise in den Norte Chico (kleiner Norden, d.h. nicht wirklich im Norden des Landes, sondern nur etwas noerdlich von der Zona central). Zu neunt (Matthew, 3 Spanier, 2 Basken, 1 Mexikaner, 1 Franzoesin und ich) haben wir mit einem gemieteten Bus und einem gemieteten Auto einen verpeilten Campingurlaub verbracht. Zunaechst hatte ich daran keinen Spass, weil mich Marta gehoerig nervte, aber das legte sich. Anlaesslich der Nationalfeiertage haben wir auf verschiedene Weise chilenische Folklore mitgenommen. Zum Beispiel haben wir uns ein Rodeo, den chilenischen Nationalsport, angeschaut. Dabei muessen zwei berittene Huasos (chilenisches Pendant zu Cowboy) eine Kuh auf bestimmte Art und Weise gegen eine Wand draengen. Dem Anschein nach ist das fuer die Kuh nicht besonders angenehm, aber von der Brutalitaet, die man spanischen Stierkaempfen nachsagt, ist das Spektakel dann doch recht weit entfernt. Ausserdem haben wir noch die Fabrikationsanlagen eines Pisco-Herstellers besichtigt und natuerlich auch Pisco getrunken. Das tut man in erster Linie in den Ramadas, dem traditionellen Ort der Feierlichkeiten, wo natuerlich Cueca und Reggaeton getanzt wird. Wie die Chilenen waehrend der ganzen Woche haben wir auch einmal schoen gegrillt (asado). Nebenbei bemerkt ist das ganze Land, Haeuser und Autos, waehrend der Feiertage extrem beflaggt. Aber das ist vermutlich fuer alle Nationalitaeten ausser den Deutschen nichts besonders auffaelliges. Ferners waren wir noch in einem Observatorium. Der Himmel ueber Chile (oder ueber Lateinamerika) ist naemlich besonders klar und man sieht mehr Sterne als irgendwo sonst (und andere als in der noerdlichen Hemisphaere). Die Fuehrung im Observatorium war aber eher mies.
Ganz witzig war noch, dass ich eines abends aus Versehen ein paar Chilenen gefragt habe, ob sie nicht Schlaege wollen, was aber nicht der Fall war. Das kam so: die Basken gebrauchten staendig und fuer alles das Wort Hostia; Standardverwendung: es la hostia, tio! (woertlich: es ist die Hostie, Onkel). Da ich den inflationaeren Gebrauch dieses Wortes recht witzig fand und aber den genauen Sinn nur erahnen konnte, habe ich selbst ein bisschen experimentiert und so kam es zu Buscan hostias?! (sucht ihr Hostien? = wollt ihr Schlaege?).
Fuer den Rueckweg nach Valparaiso haben wir dann mehr als doppelt so lang wie fuer den Hinweg gebraucht, weil wir unbedingt auf einem super-schlechten Weg durch eine menschenleere Halbwueste fahren mussten.

Das Wetter ist uebrigens seit einiger Zeit angenehm warm. Gestern nachmittag habe ich doesend am Strand in Viña verbracht und dabei festgestellt, dass diese Stadt auch ihre guten Seiten hat. Mit der Waerme hat aber auch die Flohplage begonnen, vor der man mich schon gewarnt hat.

Ansonsten muss ich sagen, dass ich gerade ein bisschen Heimweh habe. Die Tage anfaenglicher Euphorie sind ja eh laengst verflogen. Dazu kommt, dass fuer die Uni jetzt immer mehr zu machen ist. Das wird mir, ebenso wie zum Beispiel das Schreiben dieses Blogs dadurch erschwert, dass es mir nicht gelungen ist, den PC von seinen vielen Trojanern zu befreien, so dass der PC staendig zickt und spinnt. Ausserdem muss ich naechste Woche umziehen, und das bereitet mir ein bisschen Unbehagen, denn ich habe mich fuer ein Zimmer entschieden, das wahrscheinlich einen dramatischen Verlust an Komfort bedeutet (keine Waschmaschine, 1 einziger Kochtopf, direkt ueber einem Pub, ausserhalb der Viertel Cerro Alegre und Cerro Concepción, hoffentlich mit Internet). Und nur, um mit einer Spanierin und Chilenen zusammenzuleben, die ich noch gar nicht kenne und die vielleicht kaum da sind. In jedem Fall muss ich mich nochmal neu einleben. Mal schauen, im Zweifelsfall ziehe ich halt naechsten Monat wieder woanders hin.

Fiestas Patrias en La Serena y el Valle del Elqui

viernes, 14 de septiembre de 2007

Geschichten aus dem Alltag


Als Allende 1972 die Nationalisierung der Gran Minería del Cobre... Nein, keine Sorge, ich hoere schon auf mit der Geschichte und Politik Chiles. Wer will kann ja in den Geschichtsbuechern oder Wikipedia nachlesen. Der heutige Eintrag ist dem Alltag gewidmet.

Letzte Woche bin ich mit dem Studiengang Ingenería Comercial fuer eine Nacht aufs Land gefahren, um dort zu essen, sporteln und zu feiern. Unter den Disziplinen der Jahrgangswettkaempfe haben mir Armdruecken und Cueca-Tanzen am besten gefallen. Ersteres hatte so einen herrlich archaischen Touch, die Meute bruellend um die Kontrahenten gedraengt, deren Gesichter schmerzverzerrt und natuerlich alles unterlegt mit dem Intro von Eye of the Tiger. Kriegt man in unseren Breiten ja kaum noch zu Gesicht, sowas. Cueca ist der chilenische Nationaltanz (oder auch eine weitere Tradition, neben dem Pisco-Schnapps, die man Peru geklaut hat). Es hat etwas erheiterndes zu beobachten, mit welcher Inbrunst die chilenische Jugend zwischen Reggaeton und anderen Modetaenzen, den traditionellen Cueca tanzt. Bei diesem Paartanz umwirbt der Herr die Dame, indem er mit einem weissen Tuch wedelnd um sie herum trippelt. Gracioso.

Ein Gutteil der vergangenen Woche, aber in keinem kausalen Zusammenhang zum beschriebenen Paseo, musste ich dann krankheitsbedingt das Bett hueten. Zwischendrein habe ich noch meine ersten zwei Pruefungen hier abgelegt. Eine davon war ein Kinderspiel, man durfte sogar die Power-Point-Folien aus der Vorlesung mit in die Pruefung bringen. Den gestrigen Test in Neuropsychologie dagegen habe ich ordentlich in den Sand gesetzt. Sollte ich keinen Idiotenbonus kriegen wird das mein erster Rasslbock seit der Wiedervereinigung, eine Situation an der ich mich bestens erheitern kann.

Weniger erheiternd ist gerade das Thema Wohnungssuche. Unsere Vermieterin Luz gibt die Wohnung naemlich zum 1. Oktober auf, so dass Matt und ich gezwungen sind, uns was neues zu suchen. Mit Luz verstehe ich mich gerade recht gut, mit Matt ist das Verhaeltnis abgekuehlt. Er kann aus mir unerfindlichen Gruenden Luz nicht leiden und zieht sich voellig aus der Hausgemeinschaft zurueck. Wenn die Suche ein glueckliches Ende gefunden hat, werde ich davon berichten.

Ich habe ja schon davon erzaehlt, dass man hier auf der Hut sein muss, wenn man sein Hab und Gut behalten moechte. Das gilt nicht nur fuer Diebe, auch der gemeine Geschaeftsmann und Strassenhaendler nimmt einen gerne mal aus. Mein neulicher Rekord war es, zwei kruepplige gruene Bananen fuer 400 Pesos zu kaufen. Spaeter ist mir aufgefallen, dass man fuer 300 Pesos ein ganzes Kilo saftig-gelber Dinger kriegt. Selber schuld, wuerde ich sagen. Im Supermarkt passiert einem sowas natuerlich nicht. Da passieren aber andere befremdliche Rekorde. Wie man sich vorstellen kann, ist das Umweltbewusstsein im Alltag der Chilenen noch nicht so verankert wie bei uns. Daran, dass jeder Einkauf in 10 Plastiktueten abgepackt wird, gewoehnt man sich. Aber als eine Einpackerin letztens eine einzelne Flasche Wasser in eine Tuete gepackt hat und diese Tuete dann wieder in eine Tuete gepackt hat, hab ich dann doch etwas gestaunt.

Manchen Chilenen bringt uebrigens mein Name zum Schmunzeln. Sí-meón, kann mann naemlich als "Ja, Pisser" verstehen. Oder meón ist jemand, der oft auf Toilette muss, was bei mir dann wieder passen wuerde.

Was ich bisher verpasst habe, war die Wochenenden zum Verreisen zu Nutzen. Ab morgen aendert sich das. Bevor wir fuer 5 Tage die chilenischen Nationalfeiertage sieben Stunden noerdlich von hier verbringen, versuche ich noch den PC hier von einem Schwadron trojanischer Pferde zu befreien, die wohl dafuer verantworlich sind, dass meine Bekanntschaften hier ueber meinen MSNMessenger mit wirren bis anzueglichen Botschaften versorgt werden.

miércoles, 12 de septiembre de 2007

Der andere 11. September

Vorgestern jaehrte sich zum 34. Mal der "andere 11. September", der Militaerputsch in Chile im Jahr 1973. An diesem Tag endete abrupt die Praesidentschaft Salvador Allendes, dem ersten demokratisch gewaehlten marxistischen Praesident der Welt. Er nahm sich im Praesidentenpalast La Moneda das Leben, waehrend Kampflugzeuge des Militaers unter Fuehrung des Generals Pinochet das Gebauede bombardierten. Carlos, mein Lehrer im Fach 'Chilenische Kultur', hat uns Videoaufnahmen davon gezeigt, sehr beeindruckend. Die wirtschaftliche Lage in Chile war waehrend des sozialistischen Experiments Allendes sukzessive gespannter, um nicht zu sagen prekaerer, geworden (Hyperinflation). Zu den ersten wirtschaftlichen Massnahmen Allendes gehoerte das Ausgeben von einem halben Liter Milch pro Tag an jedes chilenische Kind. Die wesentlichen strukturellen Massnahmen aber waren eine Bodenreform, Verstaatlichung und Nationalisierung (vor allem der profitablen Kupferminen). Waehrend die Verstaatlichung (ohne Entschaedigung) die wirtschaftliche Elite des Landes gegen die Regierung aufgebracht hat, erzuernten die Nationalisierungsmassnahmen die ehemaligen US-amerikanischen Besitzer der Rohstoffunternehmen. Die Regierung Nixon reagierte auf Allendes Chile mit wirtschaftlichen Sanktionen. Umstritten ist, welche Rolle die CIA im Militaerputsch gespielt hat. Was nach 73 folgte, waren 17 Jahre Diktatur, mit zahlreichen Faellen von Folter und anderen Menschenrechtsverletzungen und 3000-5000 Verschwundenen beziehungsweise Ermordeten. Auch darueber hat uns Carlos heute eine sehr eindrueckliche Videodokumentation gezeigt.

Soweit die heutige Geschichtsstunde. Warum ich erzaehle ich das alles? Nicht nur, weil Chiles politische Vergangenheit besonders interessant ist (es gaebe noch mehr zu erzaehlen, schliesslich ist die Geschichte noch wesentlich komplexer) , sondern weil der Militaerputsch noch heute die chilenische Gesellschaft spaltet. Die Vergangenheit wirft noch ihre Schatten in die Gegenwart und wird zugleich verdraengt.
Inwiefern? Zum Beispiel ist die Verfassung, die 1980 waehrend der Diktatur angenommen wurde, noch in Kraft. Inzwischen wurde sie aber ihrer meisten antidemokratischen Elemente bereinigt. Die demokratischen Regierungen nach 1990 sind vorsichtig mit der Aufarbeitung umgegangen oder konnten manches nicht aendern, weil der Einfluss der Militaers noch gross war. Pinochet zum Beispiel war noch bis 1998 Chef der Armee und Senator auf Lebenszeit. Eine offizielle "echte" Verurteilung der Diktatur steht noch aus, ebenso wie eine effektive Bestrafung einiger Taeter. Das Thema Pinochet wird in der Oeffentlichkeit auch nur vorsichtig diskutiert. Warum? Eben weil die Gesellschaft noch immer gespalten ist und die Parteien noch unversoehnlich sind. Was die Anhaenger Pinochos betrifft, so gibt es freilich nur noch wenige der Sorte, die sagen: "Alles war super - wenn es ueberhaupt Tote und Folter gab, dann haben diese Kommunisten es verdient". Viel groesser ist de Anteil derer, die Pinochet unterstuetzt haben und nun zwar befremdet sind, nachdem sie erfuhren, was alles geschehen ist, die aber sagen: "Es gab 1973 halt keine bessere Alternative als den Militaerputsch. Was dann passiert ist, ist dumm gelaufen. Aber wirtschaftlich hat das Land ja profitiert und oeffentliche Ordnung gabs auch. Koennen wir das Thema nicht einfach vergessen?".

Am 11. September also wird in Chile dieses einschneidenden Ereignisses gedacht. Ich hatte in einem frueheren Blogg vollmundig angekuendigt, dass es an diesen Tagen in Chile heiss hergeht, mit Protesten, Demonstrationen und Streiks. Weit gefehlt. In Valparaiso zumindest war gestern ausser einer kleinen Demo, die zu 80% von Kommunisten getragen wurde, nicht viel los. In der Hauptstadt Santiago war das anders. Aber insgesamt war es wohl dieses Jahr ruhiger. Meine Vermieterin Luz meinte, dass die Leute allmaehlich die Hoffnung aufgegeben haben, dass die Geschichte aufgearbeitet wird bzw. das Interesse verloren haben. Ein deutscher Filmemacher, den ich gestern in Santiago getroffen habe, meinte dagegen es brodelt. In Santiago vielleicht.

domingo, 2 de septiembre de 2007

3 mal Glueck und einmal Pech

Inzwischen hat man dreimal versucht mich zu berauben, und dreimal hab ich Glueck gehabt, aber meine Begleiter leider nicht immer. Dass ich zusammen mit Matthew ueberfallen wurde und er seinen Geldbeutel los wurde hab ich ja schon erzaehlt.
Letzte Woche bin ich mit Andreas, einem anderen deutschen Studenten, die Huegel hinaufgestiegen, um eine schoene Aussicht auf die Bucht von Valpo zu haben. Die Aussicht war auch wirklich super. Es ist bekannt, dass je hoeher man die Huegel hinauf steigt es gefaehrlicher wird bzw. einfach aermere Leute dort wohnen. Jedenfalls haben wir einen Chilenen kennengelernt der uns herumgefuehrt hat und sich mit uns unterhalten hat. Schlussendlich wollte er dann ein Foto von mir und Andreas mit Andreas´ Kamera machen. Andreas war leichtsinnig genug ihm die Kamera zu geben. Ich konnte den Typen leider nicht mehr einholen.
Als ich dann gestern von Valpo mit dem Bus in die Nachbarstadt Viña del Mar gefahren bin kam es dann nochmal zu einem Zwischenfall. Als ich beim Busfahrer bezahlt hab, hat man mich darauf aufmerksam gemacht, dass ein Typ hinter mir meine Rucksacktaschen durchforstet. Sogar als ich mich umgedreht habe hat er glaub ich noch weiter gemacht. Jedenfalls hatte er meine Fotokamera in der Hand. Zu meinem Glueck hat er sie aber irgendwie in den Bus fallen lassen und als wir losfuhren ist er abgehaut. Glueck fuer mich.
Viña, das ist Valpos Nachbarstadt und Alter Ego. Die Stadt ist sicherer, touristischer, neuer, mit Hotels und Bettenburgen, Strand und grossen Geschaeften und Geschaeftsketten (die es in Valpo ja nicht/kaum gibt). Es heisst die eine Stadt koennte ohne ihren Gegenentwurf nicht existieren. Uebrigens leben alle US-amerikanischen Austauschstudenten in Viña und alle europaischen in Valpo (dort allerdings im besten Viertel).

Heute hatte ich dann etwas Pech. Wollte mit Fabian, einem deutschen Austauschstudenten, in die Anden Ski fahren gehen. Es stellte sich heraus, dass wir beiden die einzigen Skifahrwilligen in einem Bus voller chilenischer Familien waren. Der Bus ist zu spaet los gefahren und hat mehrmal laenger gehalten, vor allem aber wurden alle Busse 5 km vor dem Skigebiet gestoppt. Der Tag hat eindruecklich die Grenzen zwischen reich und dem Rest aufgezeigt. Alle Leute, die mit dem Bus kamen mussten sich eben damit begnuegen ein wenig im Schnee zu tollen. Einzelne Autos wurden zum Skigebiet durchgelassen, das nur aus einem einzigen grossen Hotel besteht, das ein US-Amerikaner dort hingepflanzt hat. Per Anhalter sind wir beide dort auch noch hingekommen (das war schon ziemlich schwierig, denn obwohl viele Autos Platz hatten, haben sie uns nicht mitgenommen). Angesichts der fortgeschrittenen Zeit in Kombination mit dem Umstand, dass es nur Tagespreise fuer Snowboard und Skipass gab haben wir uns entschlossen, die Gelegenheit fuer eine Stunde in den Anden Ski zu fahren saussen zu lassen und lieber auf der Terasse des Hotels zu chillen. Ich bin sicher, dass dem Organisator der Fahrt bekannt war, dass man uns nicht durchlassen wuerde. Die chilenischen Familien jedenfalls haben sich auf der Rueckfahrt mit Spottliedern ueber den Busfahrer gut getroestet.

Letzten Freitag kam mir erstmals der Verdacht, dass der eigentliche "Kulturbruch" an ganz unverhoffter Stelle auftreten koennte. Beim Weggehen. Die Chilenen sind naemlich alle verrueckt nach Reggaeton. Das wird rauf und runter gespielt und ist fuer mich schon manchmal recht anstrengend. Bevor ich Freitag in einen Club gegangen bin war ich noch Chorrillana essen und in einer Karaoke-Bar. Chorrillana, das ist ein chilenisches Nationalgericht, das in Valparaíso erfunden wurde und recht gut in das Bild passt, das ich bisher vom chilenischen Essen gezeichnet habe. Die Basis sind Pommes Frites, daruber gebratene Eier und allerlei Fleisch. Ganz lecker aber irre fett und fuellend. Die Karaoke-Bar war dann wirklich bitter was Musik und das Etablissement selbst angeht, aber die ChilenInnen sind natuerlich ausgeflippt vor Begeisterung. Haette man selbst erleben muessen.

Portillo