miércoles, 26 de diciembre de 2007
Weihnachten ohne Weihnachtsstimmung, aber in guter Gesellschaft
Die Tage in Arequipa habe ich ausserdem mit zwei sehr netten Quebecois verbracht. Heute nacht breche ich noch zu einer eintaegigen Tour in die zweittiefste Schlucht der Erde auf. Danach geht es aber wirklich wieder zurueck nach Chile, wahrscheins mit einem Ein-Tages-Chill-Out an seinen noerdlichen Straenden.
jueves, 20 de diciembre de 2007
1000 neue Freunde
Seit wenigen Minuten sind wir nur noch zu zweit unterwegs, Borja und ich. Kepa - nebenbei gesagt ein fantastischer Mensch - hat, als wir feststellen mussten, dass es heute keine Busse nach Nazca mehr gab, kurzerhand beschlossen bereits gen Sueden aufzubrechen, um seine fixe Idee, die Wasserfaelle von Iguazu im hintersten Eck Argentiniens zu sehen zu verwirklichen. Zu Silvester in Valparaiso treffe ich den Jungen wieder.
Seit dem letzten Eintrag haben wir viel gesehen und unternommen. Zunaechst haben wir den Hexenkessel La Paz verlassen und uns die Ruinen von Tiwanaku angesehen; Tiwanaku war die bedeutenste Kultur in Peru/Bolivien bevor sie von den Inca verdraengt wurden. Im Vergleich zu Machu Picchu in Peru ist die wichtigste archaelogische Fundstelle in Bolivien aber mickrig. Von dort aus ging es weiter nach Copacabana am Titicacasee. Von der netten Touri-Stadt aus haben wir ein Boot zur Isla del Sol im Titicacasee genommen, wo wir zwei Tage lang wunderschoen wandern waren. Nebenbei muss gesagt werden, dass wir bis zum Uebertreten der Grenze nach Peru unglaubliches Glueck mit dem Wetter hatten. Eigentlich ist Regenzeit - und inzwischen steht Bolivien auch unter Wasser - aber selbst als es auf der Isla del Sol doch einmal ueber uns geregnet und gewittert hat, so war es nicht waehrend unserer Wanderung, sondern nachts waehrend wir gemuetlich schliefen.
Zurueck in Copacabana haben wir am naechsten Tag den Bus nach Puno, Peru genommen. Dort haben wir uns nicht lange aufgehalten, sondern nur schnell die schwimmenden Inseln des Volks der Uro besichtigt, eine Touri-Tour sondersgleichen, aber die Inseln sind dennoch beeindruckend und einzigartig.
Von Puno aus gings nach Cusco, der ehemaligen Hauptstadt des Inka-Reiches. Cusco ist absolut beeindruckend und sehr schoen. Natuerlich auch sehr touristisch, aber wo es so viel erhaltene Prachtbauten der Spanier, schoene Gassen und Inka-Mauern gibt, da kommt halt alle Welt. Von Cusco aus haben wir zunaechst einen Tagesausflug zur Besichtigung einiger Inka-Ruinen im Heiligen Tal in der Naehe der Stadt gemacht. Eigentlich wollten wir das erst nach der Reise zum Machu Picchu von Cusco aus tun, aber da die Busfahrt wegen Blockade der Strasse durch Steinschlag gecancelt wurde, mussten wir einen Plan B aus der Tasche zaubern. Einen Tag spaeter schliesslich haben wir uns zum Machu Picchu aufgemacht und zwar nicht wie die meisten Leute ueber den Weg der Inka (haetten wir gerne gemacht, aber war nicht nur teuer, sondern auch nicht zeitnah moeglich), sondern ueber eine alternative Route. Die Anreise im Bus war aufregend, wie gesagt ist es Regenzeit und deswegen kam es auch an diesem Tag zu Steinschlaegen. Mehrmals mussten/wollten alle Passagiere aussteigen, wenn der Bus gefaehrliche Stellen zu passieren hatte. "Piedras, piedras... corren, corren!" (Steine, Steine, rennt, rennt!) hiess es zu allem Ueberdruss noch, als wir eine solche Stelle zu Fuss ueberquerten. Bevor wir Aguas Calientes, die Stadt am Fusse der Inka-Stadtr Machu Picchu erreichen konnten, mussten wir noch eine Nacht in einer kleinen Stadt, Santa Therese, verbringen. Dort allerdings haben wir es uns gut gehen lassen, erst in die nahegelegenen Thermalbaeder, dann mit ein paar Kanadiern und Basken ordentlich feiern, das einzigste Mal auf der Reise bisher. Da wir viel sehen wollen, sind wir meistens schon direkt nach dem Abendessen muede und es wird auch um halb 7 schon dunkel. Am naechsten Tag sind wir dann noch einige Kilometer mit schoenen Panorama-Ansichten in einem kleinen Bus durch Semi-Regenwald gefahren. Danach fehlten nur noch zwei Stunden Marsch entlang der Bahngleise um Aguas Calientes zu erreichen, wo wir uns das mieseste Hostal des Ortes zum Uebernachten ausgesucht haben. Gespiessen haben wir dort dagegen wie die Koenige. Der Preis von zwei Euro fuer ein gepflegtes Drei-Gaenge-Menu mit Getraenk ist fuer peruanische (Nicht-Touri-)Verhaeltnisse zwar ordentlich (wir pflegen in Peru einfache 3-Gaenge-Menus fuer 30-60 Cent zu essen), aber wer kann sich da beschweren.
Nun denn, heute in aller Fruehe dann schliesslich Aufstieg zum Machu Picchu; sehr anstrengend mit all unserem Gepaeck. Aber es hat sich gelohnt. Zu den Ruinen moechte ich nicht viel sagen, ausser, dass sie zu Recht zu den 7 "neuen" Weltwundern gezaehlt werden.
Statt wie geplant heute werden Borja und ich dann morgen nach Nazca reisen, um uns die geometrischen Figuren dort aus dem Flugzeug anzuschauen. Danach reise ich wahrscheinlich bereits wieder gen Sueden, nach Arequipa zunaechst.
martes, 11 de diciembre de 2007
Bolivien ist eine andere Welt
Die Ueberfahrt von Chile nach Bolivien war bitter. Vor allem bitter-kalt. Des Nachts, durch die bolivianische Hochebene, ohne Heizung, bei kaputten Fensterscheiben, ohne Toilette, in einem Uraltbus vollbepackt mit bolivianischen Familien und ihren Habseligkeiten, unzaehlige unnoetige Stops und stundenlanges Warten an der Grenze, bis diese erst einmal aufgemacht hat. Im Vergleich zu den komfortablen, zuegigen Ueberlandfahrten in Chile war das ein ziemlicher Kontrast. Unsere erste Station in Bolivia war der beruehmte Salzsee von Uyuni, ueber den wir eine eintaegige Tour gemacht haben. In der Stadt Uyuni wurde ich das erste Mal mit den Cholitas vertraut, die fuer Bolivien charakteristisch sind. Als Cholitas werden die indigenen Frauen bezeichnet, die - obgleich sie sich in der Stadt niedergelassen haben moegen - ihre traditionelle Kleidung tragen und stets etwas in ihren schoenen Rueckentuechern tragen (Ware oder Kind).
Von Uyuni ging es nach Potosí, einer Bergbaustadt auf ueber 4000 Meter Hoehe. Sie war vor wenigen Jahrhunderten die groesste Stadt der Welt (groesser als Paris, London etc) und aufgrund reichhaltiger Silbervorkommen auch eine der reichsten. Dank des Silberrauschs stehen dort heute noch viele schoene und prunkvolle Gebaeude, vor allem Kirchen, aus der Zeit der Kolonisierung. Den Bergbau gibt es ebenfalls noch - und man koennte meinen, an den Arbeitsbedingungen unter Tage haette sich nichts geandert seit waehrend der spanischen Herrschaft 8 Millionen Eingeborene und Schwarze dort den Tod fanden. Wir haben die Mine einen Vormittag lang besichtigt. Kaum Licht, Boden voller Matsch, Laufen nur gebueckt oder Kriechen, Abbau mit Pickel und Foerderwaegen, die von Arbeitern an Seilen gezogen werden, giftige Gase, Temperaturen bis 45 Grad, keine Essenspausen waehrend der 8-stuendigen Schichten. Die Minenarbeiter sterben gewoehnlich im Alter von 40-45 Jahren an Verstaubung der Lungen. Trotzdem ist die Arbeit fuer viele Bolivianer attraktiv, weil sie dort relativ gut verdienen, oder wenn sie Glueck haben sogar zu Reichtum kommen. Dennoch bitter. Die schwere Arbeit und den Verzicht auf Nahrung unter Tage ertragen die Arbeiter durch das Kauen von Coca. Natuerlich haben wir diese Droge, die keine ist, auch probiert. Angeblich hilft sie gegen die Hoehenkrankheit, die sich in meinem Fall mit leichten Kopfschmerzen und Schwindel bemerkbar gemacht hat. Um Unfaelle zu vermeiden, opfern die Minenarbeiter Coca, Alkohol, Zigaretten und Lama-Foeten dem Teufel, der in der Mine durch eine skurille Statue verkoerpert wird. Mit seinen Traditionen und niedrigem Entwicklungsstatus bietet Bolivien einen echten Kontrast zum "mitunter postmodernen Chile".
Von Potosí nach Sucre, der de jure Hauptstadt Boliviens. Als "weisse Stadt" oder "Athen Boliviens" wird sie von vielen als die Schoenste des Landes gepriesen. Es mag an der sonntaeglichen Verschlafenheit der Stadt gelegen haben, dass ich gar nicht sooo entzueckt von ihr war. Schoen ist sie doch. Aber besser verschlafen als in dem Zustand von vor einer Woche, als bei den Demonstrationen gegen die Regierung und die neue Verfassung bzw. fuer die "Wiedermachung zur de facto Hauptstadt drei Demonstranten umkamen und 500 verletzt wurden. Die aktuelle Politik Boliviens und die sozialen Transformationsprozesse unter dem ersten indigenen Praesidenten Evo Morales und seiner "Bewegung zum Sozialismus" waeren ein Thema fuer sich, aber ich bin da kein Experte.
Von Sucre nach La Paz, der de facto Haupstadt. La Paz ist die Hostie! Abertausende von unverputzten Haeusern, geworfen in einen grossen Kessel von Huegeln und Bergen. Ein Gedraenge und ein Geschrei, Demos und Polizei. Strassenmaerkte ueber Strassenmaerkte statt auch nur einem Supermarkt, den ich gesehen haette. Hier sieht man auch besonders, das Bolivien das (fast) aermste Land Suedamerikas ist, viele Bettler. Fuer Touristen sind die Preise dort deswegen auch unglaublich guenstig (z.B. einfaches 3-Gaenge Mittagessen 70 Euro-Cent).
Von La Paz aus haben wir heute einen weiteren Touri-Klassiker unternommen, den Mountainbike-Downhill-Ride auf "der gefaehrlichsten Strasse der Welt". (Der reisserische Titel geht auf einen Bericht der inter-amerikanischen Entwicklungsbank aus dem Jahr 1995 zurueck, bezog sich aber auf den motorisierten Verkehr, der heute eine neu gebaute Strasse benutzt). Landschaftlich war es eine runde Sache und dank der schrottigen Fahrraeder hatte die Tour auch ein bisschen was von Abenteuer. Kepa hats geprezelt, aber halb so wild. Muessen ihn halt morgen bei der Besichtigung der Tiwanaku-Ruinen und der Reise zum Titikakasee etwas stuetzen.
sábado, 8 de diciembre de 2007
Unterwegs
viernes, 30 de noviembre de 2007
Como si la vida fuera para siempre... chao Valpo!!!
In der letzen Woche hier hatte ich noch ein Schlüsselerlebnis: ich hab auf dem Markt eine Zwiebel geschenkt bekommen! Klar, das klingt bescheuert, aber nachdem ich mich schon an den Gedanken gewöhnt hatte, dass man mich als Ausländer hier bei jeder zweiten Gelegenheit prellen würde, war das irgendwie eine nette Geste. Vorgestern Nacht hab ich mich "künstlerisch" oder besser gesagt vandalistisch in Valpo verewigt. Gestern war ich mit Andreas in Quintay, einem nahe gelegenen schönen Strandort zum Fischessen und am Strand. Gestern und heute sind außerdem noch diverse Abschiedsfeiern (gewesen). Vor ein paar Minuten haben meine Mitbewohner und ich zum Abschied nochmal lecker Fisch gekocht und gegessen.
Chao Valparaiso!
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| Mein Lieblingsv |
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| Últimos Días en Valpo |
martes, 20 de noviembre de 2007
Wurde auch Zeit
Ansonsten hier alles ruhig; Uni liegt in den letzten Zügen, es mehren sich die Tage, an denen ich an den Strand gehe. Vorletztes Wochenende war ich mit meinem Mitbewohner und drei seiner Kletterfreunde in einem nahegelegenen Nationalpark, wo wir des Nachts marschiert sind und gezeltet haben, siehe Fotos.
Von der miesen Ernährung und dem dekadenten Leben eines Austauschstudenten habe ich etwas Speck angelegt. Ich versuche dem inzwischen durch Leibesertüchtigung entgegenzuwirken, aber wenn der Dampfer erst einmal gekentert ist...
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| La Campana |
lunes, 5 de noviembre de 2007
Hüpfer über die Anden
Das vergangene Wochenende, verlängert durch Allerheiligen, habe ich mal wieder reisend zugebracht. Diesmal gings zusammen mit Andreas, einem deutschen Kommilitonen, nach Mendoza, einer größeren Stadt in Argentinien jenseits der Anden. Da ich eine Mandelentzündung mit mir rumschleppte, haben wir die Tage auf sehr entspannte Weise verbracht. Deswegen mussten wir uns auch die an sich obligatorische Verköstigung der weltberühmten Weine entgehen lassen. Übernachten konnten wir günstigerweise bei Bekannten, zwei Deutschen und einer Französin, die dort studieren.
Ganz anders als die chilenischen Städte, die ich kenne, ist Mendoza eine grüne Stadt. Die Strassen sind durchgehend mit großen Bäumen gesäumt, die einem bei der Hitze Schatten spenden und der Stadt ein lauschiges Flair verleihen. Außerdem gibt es einen Park, der fast halb so groß ist wie die Stadt selbst.
Auf Empfehlung unserer Gastgeber haben wir am Gottesdienst einer brasilianisch-christlichen Gemeinde mit kernigem Einschlag Exorzismus teilgenommen. "Weiche Dämon, weiche!", brüllte der Pfarrer - oder besser: Animateur - stets ins Mikrofon, während die Gläubigen und wir durch das Spalier der Diener, welche einem die Hand auf den Kopf auflegten, durch die Kirche wandelten. Die Atmosphäre lässt sich nur schwer beschreiben; die "Predigt", die die Pfarrer oder eben Moderatoren ins Mikrofon schmetterten glich eher einer Radio-Show. Nun, ich wollte noch will ich mich über den Glauben der Leute lustig machen. Jedenfalls liegt der Kultus dieser christlichen Gemeinde auf der Expressivitäts-Skala am den Lutheranern gegenüberliegenden Ende. Der Gottesdienstbesuch endete vorzeitig mit einem kleinen Skandal. Andreas fühlte sich von den Handauflegern bedrängt, die ihn nicht losliesen, da sie davon überzeugt waren, dass in ihm ein Dämon hauste. Sie verfolgten ihn noch mehrere hundert Meter durch die Strassen von Mendoza.
Argentinien hat gegenüber Chile den ein oder anderen Vorzug. Es ist super billig, die Leute sind viel besser zu verstehen, entspannt, und irgendwie kultivierter. Und ein argentinisches Asado (Grillen) mit saftigem Steak ist unvergleichlich. Die Argentinier nennen ein kümmerliches Grillfest übrigens Asado chileno. :-p
Normalerweise würde ich diesen fantastischen Reisebericht natürlich mit dem ein oder anderen Bild garnieren, aber ich habe den Eindruck, dass mir meine Kamera auf der Rückreise aus dem Rucksack geklaut wurde, oder wo zum Henker steckt sie?!
domingo, 28 de octubre de 2007
Im "kleinen Süden"
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| Reise in den kleinen Süden und Chiloé |
lunes, 15 de octubre de 2007
Chucha
Den Englischunterricht hab ich gecancelt, weil ich den Kopf grad nicht mehr recht frei hab dafür und auch gar nicht mehr viele Male blieben. Ausserdem hatte ich das Gefühl, dass ich Freitag nie recht motiviert sein werde, früh aufzustehen, da das Wochenende hier Donnerstag abend beginnt.
Nett ist, dass meine Mitbewohner mal wieder eine künstlerische Ader haben. Pancho zupft elegant die Gitarre, spricht furchtbar undeutlich, raucht zuviel und schreibt gerade seine Diplomarbeit in Biochemie. America, so der Name meiner Mitbewohnerin, schreibt Gedichte und malt und liest viel. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob ich ihren Sinn für Ästhetik teile. Sie war es gewiss auch, die eine Wohnzimmerwand mit dem bedeutungsschwangeren Satz "When will you start to see yourself through the grave?" geschmückt hat.
Ach ja, und dann kann ich noch berichten, dass meine sozialen Kontakte hier mitunter wahnsinnig oberflächlich sind. Die "Schuld" dafuer, wenn man das so nennen moechte, kann ich bestenfalls teilweise darauf schieben, dass ich mich den hiesigen Verhaeltnissen angepasst haette. Es haengt auch einfach mit dem "Erasmus-Leben" zusammen, das ich hier fuehre, d.h. vor lauter Kontakten und Moeglichkeiten komme ich kaum dazu, einzelne Bekanntschaften zu vertiefen. Etwas bedenklich finde ich ebenfalls, dass ich - weiss Gott warum - hier immer mehr schwule Bekannte und Freunde habe. Nicht dass das an sich ein Problem fuer mich waere, aber bei dem Gedanken, dass man mich deswegen ebenfalls für schwul hält, ist mir nicht ganz wohl.
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| Valpo, Wohnung, Santiago |
viernes, 12 de octubre de 2007
Gute Lüfte
Die letzte Woche habe ich mir eine kleine Auszeit von der Uni genommen und bin mit Kepa (Baske), Ramon und Rolando (Mexiko) nach – hach, wer hätts erraten – Buenos Aires gereist. Der sechs Tage haben wir allen zwei volle für die Anreise im Bus verbraten. Es wäre viel gewonnen, wenn die Busgesellschaften nicht immer die allermiesesten Filme zeigen würden.
Buenos Aires, genannt „Hauptstadt des Tangos“ oder „Paris Südamerikas“, hat mir super gefallen und ich bedaure, dass wir nur 3 Tage dort sein konnten und so die Stadt nur oberflächlich kennenlernen konnten. Tausend Dank geht an Rinili (Kommilitonin aus Dresden), die mich trotz Saure-Gurken-Zeit spontan bei sich aufgenommen und gütigst umsorgt hat. Sie hat uns auch am ersten Abend gleich mal auf eine schöne argentinische Sause mit Livemusik im Wohnzimmer geschleppt. Die restlichen Abende haben wir ruhig verbracht und unsere Energie aufs Sightseeing tagsüber verwendet, die verschiedenen Viertel abklappernd.
Die Argentinier bzw. insbesondere die porteños (Bewohner von Buenos Aires) stehen in dem Ruf besonders eingebildet zu sein. Fragt ein Argentinier einen Spanier: „Welches Land ist dem Himmel am nächsten?“ Darauf der Spanier, genervt: „Bestimmt Argentinien, richtig?“ „Nein, Uruguay.“ (Argentiniens Nachbarland). Kleiner Scherz am Rande, ne. Im Übrigen muss gesagt werden, dass die argentinischen Frauen ausgesprochen hübsch sind, das erklärt den vermeintlichen Stolz der Argentinier mit Recht bestimmt zur Hälfte.
Einen Tag haben wir dann schließlich noch in Rosario verbracht, der Geburtstadt des Herrn Ernesto Guevara de la Serna. Der Zufall wollte es, dass wir genau an seinem 40. Todestag vor seinem Haus standen, wo denn auch ein paar Leute sich versammelt hatten, um dem großen Idol Lateinamerikas zu huldigen.
Kurz vor der Argentinien-Reise hab ich noch einen eintägigen Abstecher nach Santiago gemacht, um bei einer Messe europäischer Universitäten auszuhelfen. Dabei hab ich zufällig chilenische Kommilitonen getroffen und hab mit denen noch einen netten Abend verbracht. Santiago selbst fand ich jetzt nicht berauschend, nicht nur wegen der riesigen Smogglocke nicht. 1:0 für Buenos Aires!
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| Buenos Aires |
martes, 2 de octubre de 2007
Neuland
Vorgestern bin ich schlussendlich umgezogen. In letzter Sekunde habe ich mich für eine andere Wohnung als die im letzten Eintrag umrissene entschieden. Die Tage zuvor ist mir meine Entscheidungsschwäche in solchen Dingen ganz schön bewusst geworden. Gleichzeitig habe ich gespürt, dass ich das Leben hier etwas gelassener sehe und das gefällt mir. Die Wohnung in der ich jetzt wohne, ist auch nicht gerade perfekt (etwas weiter ab vom Schuss, noch kein Internet und, was mir bei der Besichtigung nicht auffiel: kein Tageslicht in meinem Zimmer). Aber das Gute ist, dass ich einen guten ersten Eindruck von meinen Mitbewohnern habe, denn schließlich ist es mir wichtiger mit netten Leuten zusammen zu leben als in einer tollen Wohnung. Meine neuen Mitbewohner sind Pancho und Meri, zwei Chilenen. Matthew lebt nun bei Borja, Marta und Aurora; eine Option, die mich wenig reizte.
domingo, 23 de septiembre de 2007
Fiestas Patrias
Ganz witzig war noch, dass ich eines abends aus Versehen ein paar Chilenen gefragt habe, ob sie nicht Schlaege wollen, was aber nicht der Fall war. Das kam so: die Basken gebrauchten staendig und fuer alles das Wort Hostia; Standardverwendung: es la hostia, tio! (woertlich: es ist die Hostie, Onkel). Da ich den inflationaeren Gebrauch dieses Wortes recht witzig fand und aber den genauen Sinn nur erahnen konnte, habe ich selbst ein bisschen experimentiert und so kam es zu Buscan hostias?! (sucht ihr Hostien? = wollt ihr Schlaege?).
Fuer den Rueckweg nach Valparaiso haben wir dann mehr als doppelt so lang wie fuer den Hinweg gebraucht, weil wir unbedingt auf einem super-schlechten Weg durch eine menschenleere Halbwueste fahren mussten.
Das Wetter ist uebrigens seit einiger Zeit angenehm warm. Gestern nachmittag habe ich doesend am Strand in Viña verbracht und dabei festgestellt, dass diese Stadt auch ihre guten Seiten hat. Mit der Waerme hat aber auch die Flohplage begonnen, vor der man mich schon gewarnt hat.
Ansonsten muss ich sagen, dass ich gerade ein bisschen Heimweh habe. Die Tage anfaenglicher Euphorie sind ja eh laengst verflogen. Dazu kommt, dass fuer die Uni jetzt immer mehr zu machen ist. Das wird mir, ebenso wie zum Beispiel das Schreiben dieses Blogs dadurch erschwert, dass es mir nicht gelungen ist, den PC von seinen vielen Trojanern zu befreien, so dass der PC staendig zickt und spinnt. Ausserdem muss ich naechste Woche umziehen, und das bereitet mir ein bisschen Unbehagen, denn ich habe mich fuer ein Zimmer entschieden, das wahrscheinlich einen dramatischen Verlust an Komfort bedeutet (keine Waschmaschine, 1 einziger Kochtopf, direkt ueber einem Pub, ausserhalb der Viertel Cerro Alegre und Cerro Concepción, hoffentlich mit Internet). Und nur, um mit einer Spanierin und Chilenen zusammenzuleben, die ich noch gar nicht kenne und die vielleicht kaum da sind. In jedem Fall muss ich mich nochmal neu einleben. Mal schauen, im Zweifelsfall ziehe ich halt naechsten Monat wieder woanders hin.
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| Fiestas Patrias en La Serena y el Valle del Elqui |
viernes, 14 de septiembre de 2007
Geschichten aus dem Alltag

Als Allende 1972 die Nationalisierung der Gran Minería del Cobre... Nein, keine Sorge, ich hoere schon auf mit der Geschichte und Politik Chiles. Wer will kann ja in den Geschichtsbuechern oder Wikipedia nachlesen. Der heutige Eintrag ist dem Alltag gewidmet.
Letzte Woche bin ich mit dem Studiengang Ingenería Comercial fuer eine Nacht aufs Land gefahren, um dort zu essen, sporteln und zu feiern. Unter den Disziplinen der Jahrgangswettkaempfe haben mir Armdruecken und Cueca-Tanzen am besten gefallen. Ersteres hatte so einen herrlich archaischen Touch, die Meute bruellend um die Kontrahenten gedraengt, deren Gesichter schmerzverzerrt und natuerlich alles unterlegt mit dem Intro von Eye of the Tiger. Kriegt man in unseren Breiten ja kaum noch zu Gesicht, sowas. Cueca ist der chilenische Nationaltanz (oder auch eine weitere Tradition, neben dem Pisco-Schnapps, die man Peru geklaut hat). Es hat etwas erheiterndes zu beobachten, mit welcher Inbrunst die chilenische Jugend zwischen Reggaeton und anderen Modetaenzen, den traditionellen Cueca tanzt. Bei diesem Paartanz umwirbt der Herr die Dame, indem er mit einem weissen Tuch wedelnd um sie herum trippelt. Gracioso.
Ein Gutteil der vergangenen Woche, aber in keinem kausalen Zusammenhang zum beschriebenen Paseo, musste ich dann krankheitsbedingt das Bett hueten. Zwischendrein habe ich noch meine ersten zwei Pruefungen hier abgelegt. Eine davon war ein Kinderspiel, man durfte sogar die Power-Point-Folien aus der Vorlesung mit in die Pruefung bringen. Den gestrigen Test in Neuropsychologie dagegen habe ich ordentlich in den Sand gesetzt. Sollte ich keinen Idiotenbonus kriegen wird das mein erster Rasslbock seit der Wiedervereinigung, eine Situation an der ich mich bestens erheitern kann.
Weniger erheiternd ist gerade das Thema Wohnungssuche. Unsere Vermieterin Luz gibt die Wohnung naemlich zum 1. Oktober auf, so dass Matt und ich gezwungen sind, uns was neues zu suchen. Mit Luz verstehe ich mich gerade recht gut, mit Matt ist das Verhaeltnis abgekuehlt. Er kann aus mir unerfindlichen Gruenden Luz nicht leiden und zieht sich voellig aus der Hausgemeinschaft zurueck. Wenn die Suche ein glueckliches Ende gefunden hat, werde ich davon berichten.
Ich habe ja schon davon erzaehlt, dass man hier auf der Hut sein muss, wenn man sein Hab und Gut behalten moechte. Das gilt nicht nur fuer Diebe, auch der gemeine Geschaeftsmann und Strassenhaendler nimmt einen gerne mal aus. Mein neulicher Rekord war es, zwei kruepplige gruene Bananen fuer 400 Pesos zu kaufen. Spaeter ist mir aufgefallen, dass man fuer 300 Pesos ein ganzes Kilo saftig-gelber Dinger kriegt. Selber schuld, wuerde ich sagen. Im Supermarkt passiert einem sowas natuerlich nicht. Da passieren aber andere befremdliche Rekorde. Wie man sich vorstellen kann, ist das Umweltbewusstsein im Alltag der Chilenen noch nicht so verankert wie bei uns. Daran, dass jeder Einkauf in 10 Plastiktueten abgepackt wird, gewoehnt man sich. Aber als eine Einpackerin letztens eine einzelne Flasche Wasser in eine Tuete gepackt hat und diese Tuete dann wieder in eine Tuete gepackt hat, hab ich dann doch etwas gestaunt.
Manchen Chilenen bringt uebrigens mein Name zum Schmunzeln. Sí-meón, kann mann naemlich als "Ja, Pisser" verstehen. Oder meón ist jemand, der oft auf Toilette muss, was bei mir dann wieder passen wuerde.
Was ich bisher verpasst habe, war die Wochenenden zum Verreisen zu Nutzen. Ab morgen aendert sich das. Bevor wir fuer 5 Tage die chilenischen Nationalfeiertage sieben Stunden noerdlich von hier verbringen, versuche ich noch den PC hier von einem Schwadron trojanischer Pferde zu befreien, die wohl dafuer verantworlich sind, dass meine Bekanntschaften hier ueber meinen MSNMessenger mit wirren bis anzueglichen Botschaften versorgt werden.
miércoles, 12 de septiembre de 2007
Der andere 11. September
Soweit die heutige Geschichtsstunde. Warum ich erzaehle ich das alles? Nicht nur, weil Chiles politische Vergangenheit besonders interessant ist (es gaebe noch mehr zu erzaehlen, schliesslich ist die Geschichte noch wesentlich komplexer) , sondern weil der Militaerputsch noch heute die chilenische Gesellschaft spaltet. Die Vergangenheit wirft noch ihre Schatten in die Gegenwart und wird zugleich verdraengt.
Inwiefern? Zum Beispiel ist die Verfassung, die 1980 waehrend der Diktatur angenommen wurde, noch in Kraft. Inzwischen wurde sie aber ihrer meisten antidemokratischen Elemente bereinigt. Die demokratischen Regierungen nach 1990 sind vorsichtig mit der Aufarbeitung umgegangen oder konnten manches nicht aendern, weil der Einfluss der Militaers noch gross war. Pinochet zum Beispiel war noch bis 1998 Chef der Armee und Senator auf Lebenszeit. Eine offizielle "echte" Verurteilung der Diktatur steht noch aus, ebenso wie eine effektive Bestrafung einiger Taeter. Das Thema Pinochet wird in der Oeffentlichkeit auch nur vorsichtig diskutiert. Warum? Eben weil die Gesellschaft noch immer gespalten ist und die Parteien noch unversoehnlich sind. Was die Anhaenger Pinochos betrifft, so gibt es freilich nur noch wenige der Sorte, die sagen: "Alles war super - wenn es ueberhaupt Tote und Folter gab, dann haben diese Kommunisten es verdient". Viel groesser ist de Anteil derer, die Pinochet unterstuetzt haben und nun zwar befremdet sind, nachdem sie erfuhren, was alles geschehen ist, die aber sagen: "Es gab 1973 halt keine bessere Alternative als den Militaerputsch. Was dann passiert ist, ist dumm gelaufen. Aber wirtschaftlich hat das Land ja profitiert und oeffentliche Ordnung gabs auch. Koennen wir das Thema nicht einfach vergessen?".
Am 11. September also wird in Chile dieses einschneidenden Ereignisses gedacht. Ich hatte in einem frueheren Blogg vollmundig angekuendigt, dass es an diesen Tagen in Chile heiss hergeht, mit Protesten, Demonstrationen und Streiks. Weit gefehlt. In Valparaiso zumindest war gestern ausser einer kleinen Demo, die zu 80% von Kommunisten getragen wurde, nicht viel los. In der Hauptstadt Santiago war das anders. Aber insgesamt war es wohl dieses Jahr ruhiger. Meine Vermieterin Luz meinte, dass die Leute allmaehlich die Hoffnung aufgegeben haben, dass die Geschichte aufgearbeitet wird bzw. das Interesse verloren haben. Ein deutscher Filmemacher, den ich gestern in Santiago getroffen habe, meinte dagegen es brodelt. In Santiago vielleicht.
domingo, 2 de septiembre de 2007
3 mal Glueck und einmal Pech
Letzte Woche bin ich mit Andreas, einem anderen deutschen Studenten, die Huegel hinaufgestiegen, um eine schoene Aussicht auf die Bucht von Valpo zu haben. Die Aussicht war auch wirklich super. Es ist bekannt, dass je hoeher man die Huegel hinauf steigt es gefaehrlicher wird bzw. einfach aermere Leute dort wohnen. Jedenfalls haben wir einen Chilenen kennengelernt der uns herumgefuehrt hat und sich mit uns unterhalten hat. Schlussendlich wollte er dann ein Foto von mir und Andreas mit Andreas´ Kamera machen. Andreas war leichtsinnig genug ihm die Kamera zu geben. Ich konnte den Typen leider nicht mehr einholen.
Als ich dann gestern von Valpo mit dem Bus in die Nachbarstadt Viña del Mar gefahren bin kam es dann nochmal zu einem Zwischenfall. Als ich beim Busfahrer bezahlt hab, hat man mich darauf aufmerksam gemacht, dass ein Typ hinter mir meine Rucksacktaschen durchforstet. Sogar als ich mich umgedreht habe hat er glaub ich noch weiter gemacht. Jedenfalls hatte er meine Fotokamera in der Hand. Zu meinem Glueck hat er sie aber irgendwie in den Bus fallen lassen und als wir losfuhren ist er abgehaut. Glueck fuer mich.
Viña, das ist Valpos Nachbarstadt und Alter Ego. Die Stadt ist sicherer, touristischer, neuer, mit Hotels und Bettenburgen, Strand und grossen Geschaeften und Geschaeftsketten (die es in Valpo ja nicht/kaum gibt). Es heisst die eine Stadt koennte ohne ihren Gegenentwurf nicht existieren. Uebrigens leben alle US-amerikanischen Austauschstudenten in Viña und alle europaischen in Valpo (dort allerdings im besten Viertel).
Heute hatte ich dann etwas Pech. Wollte mit Fabian, einem deutschen Austauschstudenten, in die Anden Ski fahren gehen. Es stellte sich heraus, dass wir beiden die einzigen Skifahrwilligen in einem Bus voller chilenischer Familien waren. Der Bus ist zu spaet los gefahren und hat mehrmal laenger gehalten, vor allem aber wurden alle Busse 5 km vor dem Skigebiet gestoppt. Der Tag hat eindruecklich die Grenzen zwischen reich und dem Rest aufgezeigt. Alle Leute, die mit dem Bus kamen mussten sich eben damit begnuegen ein wenig im Schnee zu tollen. Einzelne Autos wurden zum Skigebiet durchgelassen, das nur aus einem einzigen grossen Hotel besteht, das ein US-Amerikaner dort hingepflanzt hat. Per Anhalter sind wir beide dort auch noch hingekommen (das war schon ziemlich schwierig, denn obwohl viele Autos Platz hatten, haben sie uns nicht mitgenommen). Angesichts der fortgeschrittenen Zeit in Kombination mit dem Umstand, dass es nur Tagespreise fuer Snowboard und Skipass gab haben wir uns entschlossen, die Gelegenheit fuer eine Stunde in den Anden Ski zu fahren saussen zu lassen und lieber auf der Terasse des Hotels zu chillen. Ich bin sicher, dass dem Organisator der Fahrt bekannt war, dass man uns nicht durchlassen wuerde. Die chilenischen Familien jedenfalls haben sich auf der Rueckfahrt mit Spottliedern ueber den Busfahrer gut getroestet.
Letzten Freitag kam mir erstmals der Verdacht, dass der eigentliche "Kulturbruch" an ganz unverhoffter Stelle auftreten koennte. Beim Weggehen. Die Chilenen sind naemlich alle verrueckt nach Reggaeton. Das wird rauf und runter gespielt und ist fuer mich schon manchmal recht anstrengend. Bevor ich Freitag in einen Club gegangen bin war ich noch Chorrillana essen und in einer Karaoke-Bar. Chorrillana, das ist ein chilenisches Nationalgericht, das in Valparaíso erfunden wurde und recht gut in das Bild passt, das ich bisher vom chilenischen Essen gezeichnet habe. Die Basis sind Pommes Frites, daruber gebratene Eier und allerlei Fleisch. Ganz lecker aber irre fett und fuellend. Die Karaoke-Bar war dann wirklich bitter was Musik und das Etablissement selbst angeht, aber die ChilenInnen sind natuerlich ausgeflippt vor Begeisterung. Haette man selbst erleben muessen.
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| Portillo |
viernes, 31 de agosto de 2007
Der Winter geht zur Neige
Zunaechst einmal muss ich den Verlust eines Mitbewohners, Borja, beklagen. Der ungestueme Spanier ist zu zwei Freundinnen in der Nachbarschaft gezogen. Ohne unsere Vermieterin davon zu informieren. Die war ziemlich sauer. Matt und ich haben ihr inzwischen beigebracht, dass wir beide in ein paar Wochen eventuell auch ausziehen wollen, weil uns erstens die Spanisch-Praxis abgeht und die Wohnung auch kein absolutes Schnaeppchen ist. Aber das ist alles Zukunftsmusik, so richtig Lust was Neues zu suchen haben wir auch nicht und eigentlich geht es uns hier ganz gut. Schade ist halt, dass wir nicht mehr wie mit Borja jeden abend zusammen kochen oder Video schauen oder sowas. Matt hat gerade fuer eine Woche seine Freundin zu Besuch und ist glueckselig.
Richtige chilenische Freunde habe ich noch nicht gefunden. Aber ich hab jede Menge Leute kennengelernt und mich viel unterhalten. Lerntechnisch praktisch ist uebrigens, dass man hier (in Suedamerika) auf Kosten der zusammengesetzten Vergangenheitsform sehr viel den ungleich schwereren Indefinido benutzt, so dass ich dessen Formen endlich einmal lerne.
Ich habe ja bereits erwaehnt, dass die Chilenen nicht zu Unrecht in dem Ruf stehen Auslaendern gegenueber besonders offen und freundlich eingestellt zu sein, vergass aber den Zusatz "solange es sich nicht um Staatsangehoerige seiner drei Nachbarlaender handelt". Gegen Peru und Bolivien hat Chile im vorletzten Jahrhundert zwei Kriege gefuehrt und den Laendern kostbares, weil rohstoffreiches, Territorium abgenommen, und insbesondere Bolivien den Meereszugang abgenommen. Mit den Argentiniern ist das Verhaeltnis etwas entspannter, aber es bestehen politisch-ideologische Differenzen (vereinfacht Chile: neoliberal, USA-nah; Argentina: populistisch, mit Chavez' Venezuela alliert) und beides sind stolze Nationen. Die Chilenen darauf, dass Musterlaendle Suedamerikas zu sein (politisch stabil, hoechster Lebensstandard, bestaendiges Wirtschaftswachstum, im Korruptionsranking gleichauf mit Belgien - aber eine unverarbeitete Diktatur).
Verwundert hat mich heute, dass dass Postwesen in Chile offenbar kaum ausgebaut ist bzw. irgendwie anders funktionieren muss. Jedenfalls scheints in ganz Valparaiso nur ein klitzekleines Postbuero zu geben, in dem nicht einmal Umschlaege verkauft werden und das den einzigen Posteinwurfkasten enthaelt. Es koennte natuerlich sein, dass das Land so eine altmodisches System wie das Postwesen technologisch einfach uebersprungen hat. Wie bereits erwaehnt gibt es hier ja auch ueberall W-Lan. Und mehr Handys als Festnetzanschluesse.
Letztes Wochenende war ich mit ein paar Freunden, hauptsaechlich Basken, zum Wandern im Nationalpark La Campana. Die Luft, so rein! :-p Wir sind gluecklicherweise auch alle wieder gesund nach Hause gekommen. Abends bin ich fast staendig unterwegs - mal Jazz, mal Kino, mal Disse, mal gemuetlich, mal Hausparty, mal Konzert, Mal te.
Ein besonderes Schmankerl war letztens der Gastvortrag von "Charquipunk", einem der bekanntesten Graffiti/Streetart-Kuenstler Valparaisos , den mein Spanischlehrer in unsere Unterrichtsstunde eingeladen hat. Er hat erzaehlt, dass Valparaiso auch in seiner Branche den Ruf hat ein Paradies zu sein. Es war sehr interessant von ihm einen Einblick in die "transnationale, semi-subversive Szene" mit ihren verschiedenen Stroemungen und Entstehunglinien und die kollaborative Arbeitsweise der Kuenstler zu bekommen. Fotos von Wandmalerein in Valpo untenstehend. Die Abbildung einer Katze bedeutet, er hat mitgemalt.
Der nahende September ist in Chile traditionell ein besonderer Monat. Eine Woche lang werden Fiestas Patrias gefeiert. Am 18. jaehrt sich die Einberufung der ersten Junta de Gobierno im Jahr 1810 und damit dem Beginn des Unabhaengigkeitsprozess (von Spanien). Zusaetzlich politisiert wird der Monat durch den Jahrestag des Militaerputsches am 11. September 1973. Da werden auch schon mal die Universitaeten besetzt.
Cuídense (machts gut)!
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| Murales in Valpo |
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| Valpo 4 |
domingo, 19 de agosto de 2007
Ausflug nach Laguna Verde
Ob das nun gut oder schlecht ist: ein echter Kulturschock will sich nicht so richtig einstellen. Die Chilenen sind halt doch verkappte Europaer. Chile hat auch einen viel geringeren Anteil an Indigenas als andere suedamerikanische Laender, und Schwarze wurden praktisch gar keine hier her gebracht. Es scheint, als ob die Chilenen Auslaendern gegenueber besonders freundlich eingestellt sind. Was meine Bekanntschaft von letzter Woche angeht, hatte das aber doch einen besonderen Grund (denn ich im vorletzten Blog schon angedeutet hatte). Ausserdem gibt es natuerlich Ausnahmen von der auslaenderfreundlichen Haltung. Matthew beispielsweise wurde gestern ausgeraubt ( hat aber nicht so viel verloren).
Vielleicht habe ich mich aber auch einfach gut auf meinen Aufenthalt hier vorbereitet. Hatte ja schon einiges gelesen und auch ein wenig Chilenismen gelernt. Und Spanisch (dank Armando, Mini und meinen Eltern!).
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| Sonntagsau |
sábado, 18 de agosto de 2007
Gespraech am Kuechentisch
Sie: Hast du sie schon angerufen?
Ich: Ja, aber im Moment kann ich sie nicht erreichen. Meine Eltern sind gerade in Afrika.
Sie: Is gut, mein Kind. [putzt weiter]
viernes, 17 de agosto de 2007
Lateinamerika-Stereotyp 1
(Der Leser moege den geringen Unterhaltungs- und Informationswert dieser Zeilen fuer ihn entschuldigen. Eintraege wie diese sind geschuldet der Tatsache, dass ich diese Blog auch fuer mich als Erinnerung und Panorama meiner Eindruecke schreibe).
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| Valpo 3 |
domingo, 12 de agosto de 2007
Neues aus Valpo
Mit dem Eintauchen in die chilenische Kultur klappts schon so langsam. Letztens waren wir in einer Bar, El Gato de la Ventana, und haben da eine chilenische Band gehoert, die traditionelle chilenische Songs gespielt hat. Un poco rojo (etwas linksgerichtet)schienen sie mir, wie Armando sagen wuerde. Toller Abend.
Die Chilenen sind auch weiterhin nett. Als ich letztes einen Typen kennengelernt hab, hatte ich bei so viel Interesse und Freundlichkeit sogar ein wenig Bedenken, dass er schwul ist. Waere ja nicht das erste Mal gewesen, dass ich sowas nicht merken wuerde und dadurch in heikle Situationen kaeme. Die chilenische Gesellschaft ist recht konservativ, man sieht zum Beispiel keine homosexuellen Paare auf der Strasse, da kann man schon mal bei einem "toleranten Europaeer" anklopfen. War aber natuerlich nicht so, und wir haben mit seinen Freunden einen super Abend verbracht.
miércoles, 1 de agosto de 2007
Stadt der Hunde
es freut mich, dass du dich wieder auf meiner Seite eingefunden hast. Mach es dir bequem und lies, was ich von Valparaiso und meinem Leben in Chile berichten kann.
Valparaiso ist ohne jeden Zweifel die Hauptstadt der Strassenkoeter, herrenlosen Toelen und keifenden Streuner. Die sich ungehindert vermehrende Brut solcher Kreaturen praegt das Stadtbild. Sie sind ueberall. Sie liegen am hellichten Tage auf den Plaetzen und Buergersteigen und schlafen. Mancheiner dieser obdachlosen Hunde kann einem schon Leid tun.
Wie bereits in meiner E-Mail angedeutet, gibt es auch einige Menschen, deren aeussere Lebensumstaende nicht gerade blendend erscheinen. Dabei ist Chile ja das reichste Land Suedamerikas - wie schaut es dann an anderen Orten aus? Andererseits: Obdachlose und Penner gibt es ja auch in jeder europaeischen Grossstadt. Abgesehen von Arbeitslosen und Obdachlosen frage ich mich auch, wie die, die Arbeit haben zu Recht kommen. Die eine Haelfte der Chilenen, so scheint es, verkauft fuer wenige Pesos irgendwas seltsames (meist als essbar deklariert) auf der Strasse oder in den Micros (Stadtbus). Kaufen sehe ich aber kaum jemanden. Die andere Haelfte ist in Restaurants und im Supermarkt angestellt und tritt sich dort gegenseitig auf die Fuesse. Bei der grossen Anzahl an Angestellten, kann ich mir kaum vorstellen, dass die Stundenloehne riesig sind. Etwas nervig ist uebrigens, dass man fuer jede Kleinigkeit, die man kauft gleich eine Rechnung in die Hand gedrueckt bekommt. Eine einzige Zettelwirtschaft, dieses Chile.
Valparaiso ist vom Flair her in gewisser Hinsicht mit der Dresdner Neustadt zu vergleichen. Wahnsinnig viele Mauern und Haeuser in meinem Viertel (Cerro Alegre und Cerro Concepción) sind bemalt und es haben sich viele Kuenstler hier niedergelassen. Dazu passt auch die Anekdote, dass McDonalds sein Restaurant, das es hier vor einigen Jahren eroeffnen wollte, aufgrund von Studentenprotesten wieder dicht machen musste.
Die Cerros Alegre und Concepcion gehoeren wie gesagt zu den besseren Gegenden in Valpo. Deswegen gibt mir die Tatsache, dass zwei franzoesische Kommilitonen vor zwei Tagen hier am hellichten Tage bewaffnet ueberfallen wurden, besonders zu denken. Ein solches "Abenteuer" wird mir hoffentlich nicht widerfahren.
Weit davon entfernt, in die Herzen der Chilenen schauen zu koennen, muss ich mich bei der Beschreibung dieser Menschen vorerst auf einige Aeusserlichkeiten beschraenken.
Mich hat ueberrascht, dass tatsaechlich jeder Chilene kohlrabenschwarzes Haar hat. Natuerlich ist das mal wieder etwas uebertrieben, aber ich hatte jedenfalls die Eintoenigkeit der Einfarbigkeit nicht so plastisch vor Augen.
Eine zweite Beobachtung ist, dass die Chilenen rauchen, was das Zeug haelt. Angeblich hat das Land den hoechsten Anteil an weiblichen Rauchern der Welt, aber das habe ich nicht ueberprueft.
Drittens geht der Trend zur Uebergewichtigkeit. Hier stehe ich wieder auf dem Boden empirisch fundierter Erkenntnisse, wenn ich erwaehne, dass nur 1.5 Prozent der Bevoelkerung sich gesund ernaehren. Fruechte und Gemuese, obwohl leicht und guenstig verfuegbar, stehen offenbar nicht in ausreichendem Masse auf dem Speiseplan. So ist denn Gorda/Gordita (Dicke/Dickerchen) hier auch Kosename Nummer 1. Wie ich es von mir selbst aus Deutschland kenne, greift man auch hier schon oefters mal zu einem Comida Rápida. Dieses FastFood aber scheint mir noch weniger gesund zu sein als unser guter Doener. Und fuer jedes Fastfood-Objekt gilt: extra viel Mayo, extra viel gruener Schleim. [Heut' liebe Mama habe ich dagegen schoen brav Fisch gegessen, den Borja fuer uns bereitet hat.]
Was die Uni angeht, sind meine ersten Eindruecke widerspruechlich. Einerseits tauchen teilweise weder chilenische Studenten noch Professoren zu ihrer ersten Vorlesung im neuen Semester auf. Und wenn eine Veranstaltung statt findet, dann mit einer Viertelstunde Verspaetung. Andererseits ist die technische Ausstattung (nicht die Raeumlichkeiten - Jody sprach hier von grosser Aehnlichkeit mit einer Stierkampfarena) der Uni besser als ich erwartet hatte und der Service der Professoren teilweise professioneller als ich es aus Dresden kenne. Heute war ich in einem Kurs, Economía Internacional, der mir eindeutig zu professionel und anspruchsvoll erschien. Fuer viele chilenische Univeranstaltungen reicht es anscheinend nicht aus, am Ende des Semesters eine Vorlesung zu schreiben oder vielleicht ein Referat zu halten und ein wenig zu lesen. Stattdessen beziehungsweise zusaetzlich gibt es mehrere Klausuren und Referate, die uebers Jahr verteilt sind, ergaenzt um woechentlich einzureichende Zusammenfassungen. Es soll aber auch weniger arbeitsintensive Kurse geben ;-p Mit Blick auf Kurse wie den oben genannten koennte es aber passieren, dass ich recht bald den Schalter von "laessigem Sprachurlaub" auf echte Arbeit umstellen muesste.
Bisher kann davon nicht die Rede sein. Gestern abend war ich zum ersten Mal im Piedra Feliz, dem Klassiker fuer abendliches Amusement in Valparaiso. Mit Matthew bin ich vor ein paar Tagen nach Isla Negra gefahren und hab mir dort das Lieblingshaus Pablo Nerudas (chilenischer Literaturnobelpreistreager) angeschaut. Der Skurrilitaet und Exotik seiner Privatsammlungen nach muss er ein unglaublich exzentrischer Typ gewesen sein. Morgen fahren Matthew, Borja und ich ein wenig in die Natur noerdlich von Valpo. Weitere Reisen sind in Planung, darunter vielleicht ein wenig Boarden in den Anden. Ich hab mich aber, was die Dimensionen dieses Kontinents und damit meine Reisemoeglichkeiten angeht, im Uebrigen etwas verschaetzt. Allein um in den Norden Chiles zu gelangen faehrt man 30 Stunden mit dem Bus. Da bleibt offen, ob ich Laender wie Kolumbien oder Venezuela zu Gesicht bekommen werde. I doubt it.
So Chicas y Chicos ich begebe mich in Richtung Tiefkuehltruhe. Die Zeitverschiebung zwischen Chile und Deutschland betraegt uebrigens 6 Stunden, die Chile hinterher hinkt.
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| Valparaiso 2 |
sábado, 28 de julio de 2007
Die erste Woche in Valparaíso
in Ergaenzung und Wiederholung zu meiner ersten Rundmail berichte ich hier von meinen ersten Eindruecken und Erfahrungen in Chile. Beginnen wir wie einem guten Smalltalk mit dem Wetter: Es ist kalt, aber nicht so kalt wie erwartet. Obwohl es in Chile ja gerade Winter ist, hat die Sonne mich an einigen Tagen schon ins Schwitzen gebracht. Das macht Hoffnung fuer den Sommer. Heute aber beispielsweise scheint sie nicht und dementsprechend kalt ist es auch in der Wohnung, denn geheizt wird in Chile nicht. Ein Glueck, dass ich dem Ratschlag, einen Schlafsack und eine Winterjacke mitzunehmen, gefolgt bin, sonst wuerde ich nachts ganz schoen frieren. Ich wohne jetzt nicht mehr im Keller, sondern in einem kleinen Zimmer im Erdgeschoss bei "La Luz". Gewissermassen bin ich damit vom Regen in die Traufe gekommen, denn zur Kaelte kommt jetzt Laerm aus Kueche, Bad und von der Strasse hinzu. Aber ich will mich nicht beklagen und hab vorsorglich schon mal Ohropax besorgt. Wusstet ihr uebrigens, dass man das Klopapier in Suedamerika oft nicht hinunterspuelen darf, sondern wegschmeissen muss? Meine Unwissenheit hat den Bewohnern der Calle Abtao 549 Dpt. A gleich mal zwei verstopfte Klos beschert.
Meine Mitbewohner, das sind Matthew aus Kanada, Borja aus Spanien und LaLuz, unsere Vermieterin aus Chile. Matthew hab ich hier gleich zu Beginn kennengelernt und mit ihm verstehe ich mich praechtig, ein wirklich witziger Kerl. Zu unserem Glueck ist vorgestern Borja eingezogen, so dass wir nicht nur Englisch reden koennen. Vielleicht kann ich ja nach diesem Semester als Dolmetscher Englisch-Spanisch bewerben. Am meisten ueberrascht hat mich, dass ich die Chilenen einigermassen verstehe, Fischmarktweiber und Busfahrer natuerlich ausgenommen. In seiner Funktion(slosigkeit) dem saechsischen "Nu" vergleichbar, sagen die Chilenen staendig "ja" und "po". Meinen Ohren viel genehmer!
Zur Uni sind es von meiner Wohnung etwa 40 Minuten zu Fuss oder 20 Minuten mit dem Bus. Das Bussystem ist fuer mich voellig undurchsichtig und ich bezweifle stark, dass sich daran in den naechsten Monaten noch etwas aendern wird. Jedenfalls kann man jederzeit in diese Dinger einsteigen und muss nicht nach Haltestellen suchen, was ja eigentlich ganz praktisch ist. Um zur Uni oder zu Geschaeften zu kommen, muss ich mich erst einmal bergab begeben, denn mein Zuhause liegt wie fast ganz Valparaiso auf Huegeln (Cerros). Nur ein schmaler Streifen Land direkt am Meer ist flach und "normal" bebaut. Die Cerros sind uebersaeht mit vielen kleinen bunten Haeusern, die sich teilweise auf skurrile und wenig vertrauenserweckende Weise an die Haenge anschmiegen. Viele von ihnen wurden glaube ich schon x-mal wieder errichtet, denn die Stadt hat offenbar unzaehlige Erdbeben hinter sich. Nach einem anstrengenden Tag in der Uni, oder vollgepackt mit Einkaeufen, erspare ich mir dann manchmal den Wiederaufstieg und nehme lieber einen der uralten Ascensores (Mini-bergbahnartige Aufzuege), fuer die Valparaiso beruehmt ist.
Die Betreuung an der Uni ist super. Leider schaut es so aus, als ob ich aufgrund von Ueberschneidungen nicht meine Wunschkombination an Kursen besuchen kann, aber das ist nicht so wild. Mal schauen, wie ich meine akademischen Verpflichtungen noch durch Sportangebote und andere Aktivitaeten ergaenzen kann. Gestern abend haben unsere Monitoren, also die chilenischen Studenten, die uns beim Einleben und Einschreiben helfen, eine Bienvenida Fiesta fuer uns internationale Studenten organisiert. Die war allerdings eher 0815. Hoffenlich kann ich dem Latino-Dancefloor-Geseihe mal noch mehr abgewinnen oder treffe auf besseres. Das war jetzt natuerlich ein bisschen hart ausgedrueckt, "aber ihr wisst, dass ich Rescht hab". Die Chilenen, die ich bisher getroffen habe, kamen mir alle total nett vor, aber vielleicht war das auch nur der Jetlag und die Ueberwaeltigtheit, die mich zu dieser Einschaetzung verleiten, denn eigentlich sind Chilenen ja "insoportables". Fakt ist aber auch (um mit Karl Augusts Worten zu sprechen), dass der Kulturschock mir erst noch bevorsteht und dass von Immersion in die chilenische Kultur und Gesellschaft auch noch keine Rede sein kann. Bisher ists ja mehr so Sprachkurs-Atmosphaere. Die internationale Studentenschaft setzt sich zu 99% aus US-Amerikanern zusammen (mal wieder ein bisschen uebertrieben) und der Rest kommt aus Deutschland, Mexiko, Frankreich, Kanada, Oesterreich, Italien, Spanien und Norwegen.
Das Essen? Etwas seltsam. Was bei uns der Doener ist, ist hier eine Empanada (fritiertes Sandwich oder sowas) oder ein Completo (Hotdog mit unglaublich viel Majonaisse und giftgruenem Schleim - angeblich Avocado). Essen gehen ist relativ billig, Essen im Supermarkt kaufen relativ teuer. Das Bier ist hier leider weder besonders gut noch besonders preiswert. Das genaue Gegenteil gilt fuer Wein und Pisco, das chilenische Nationalgetraenk. Apropos Fluessignahrung: ich habe hier die ersten Tage voellig vergessen ausreichend Fluessigkeit zu mir zu nehmen. Von meinem dehydrierten Zustand habe ich nur zufaellig dadurch erfahren, als ich mich bei Matthew ueber die Sproede meiner Lippen beklagte. Zweites Symptom ist uebrigens eine satte Faerbung des Urins, aber fuer euch, die ihr teils viel mehr Sport als ich macht, duerfte das, hab ich mir sagen lassen, keine neue Tatsache sein. Jedenfalls habe ich jetzt eine grosse Flasche Wasser neben mir stehen.
Da wir schon bei den Herausforderungen des praktischen Lebens angekommen sind: hat jemand einen Tipp, wie ich meine Klamotten von lauter Taschentuchfetzen befreien kann? Hab naemlich eine Packung Taschentuecher aus Versehen mit in die Waesche geschickt. Das Zeug haftet wirklich gut und von bis ich von Hand jeden Fetzen abgeschabt haette, waere mein Rueckflug auch schon wieder verfallen. Also, Hausfrauen und Hausmaenner bitte voran...
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| Pasándolo chancho en Chile |














