Gut in Chiclayo eingelebt. Dass Peru mit Chile nicht zu vergleichen ist, habe ich glaube ich an anderer Stelle schon mal erwaehnt. Um es auf einen Begriff zu bringen: Peru ist viel lateinamerikanischer (auch wenn es schwierig mag sein zu sagen, was denn eigentlich "lateinamerikanisch" ist und was ich mir - sozusagen stellvertretend fuer den Durchschnittseuropaer - darunter vorstelle nicht unbedingt viel mit dem Selbstbild der Suedamerikaner zu tun haben muss hier muesste jetzt ein Verweis auf irgendein Standardwerk zu Identitaetsbildung und Fremdbeschreibung hin). Aermer, heisser, traditionsreicher, dunkelhaeutiger, chaotischer, gefaehrlicher, verdauungstraktbelastender, exotischer koennte ich hinzufuegen. Anschaulicher beschrieben heisst das unasphaltierte Strassen und halbfertige Haeuser, Schrottkarren und Motorradrikschas, ueberfuellte Busse und vermehrten Koerperkontakt, Hupkonzerte, wild entschlossene Verehrerinnen, alltaegliche Eroerterung der Gemuesepreise bei Tische und vor allem: Cu-cu-cuuumbia - jederzeit, allerorts.
Es geht mir also praechtig. Der Karriere als Grundschullehrer steht auch nichts mehr entgegen. Nein, im Ernst, das mit dem Unterrichten klappt einigermassen und macht Spass, manchmal mehr, manchmal weniger, aber immer schweisstreibend. Meine Lehrerkollegen sind jung, nett und verstaendnisvoll mit mir. Natuerlich bin ich Mittelpunkt des Schulalltags. Unangenehm beruehrt war ich am ersten Tage, als mir der Direktor erst einmal einen Beamer in die Hand gedrueckt hat, mit den Worten: "Gestern neu fuer Sie gekauft, damit es an nichts fehle und sie die Kinder mit modernster Technologie unterrichten koennen". Dass ich vom Umgang mit Kindern und Grundschulpaedagogik keinen Schimmer hatte fiel da nicht ins Gewicht. Ein Overheadprojektor, etwas Papier und Farbstifte waeren hilfreicher gewesen. Naja, immerhin kann ich davon ausgehen, dass das mit dem "gestern fuer extra fuer Sie besorgt" ein Scherz war.
Neben dem Unterrichten kriege ich noch ein bisschen was vom Fairen Handel mit, in den meine Organisations-NGO (ich wuenschte mir fiele ein besserer Begriff ein) verwickelt ist. Ich hoffe in diesem oder anderem Zusammenhang waehrend meines Aufenthaltes noch in die Amazonas-Region zu kommen, aber weiss der Himmel, ob das auch hinhaut. Bin ja schliesslich nicht nur zum Reisen da.
Gerissen bin ich das vergangene Wochenende schon ein wenig. Zusammen mit einer Freundin aus Québec nach Cajamarca, einem groesseren historischen Ort in den peruanischen Anden. Historisch z.B. das dortige Treffen des alten Schlaechters Francisco Pizarro mit dem letzten Inka-Koenig Atahualpa und des beruehmt-beruechtigten Folgegeschichte von Festnahme, Bibelablehnung, Goldzimmer, Hinrichtung. Schoen wars in Cajamarca.
martes, 19 de febrero de 2008
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