Was haben wir dort unten eigentlich getrieben? Ich persönlich war in der Gruppe der "Bauarbeiter" tätig. Andere haben für die Dorfkids Freizeitaktivitäten organisiert, Fahrräder repariert, Tiere&Menschen medizinisch untersucht oder juristischen Rat gegeben.
Unsere eigene Unterkunft war sehr einfach, es handelte sich um die Dorfschule. Die mussten wir erst einmal gründlich putzen, bevor wir uns dort überhaupt niederlassen konnen. Ich habe mir mit 30 Leuten ein Zimmer geteilt, für die ganze Mannschaft gab es nur zwei Warmwasserduschen, das Essen war auch stets sehr bescheiden. Der Witz ist: man gewöhnt sich an alles im Nu (naja zugegeben, meine Essensration habe ich stets durch Früchte und Schokolade aus dem örtlichen Laden aufgebessert). Das ganze Ding war finanziell so knapp ausgestattet und kalkuliert, dass aus Geldmangel sowohl die vorgesehen Strom-Installation im Dorf wie auch Teile unseres Freizeitprogramms gecancelt werden mussten.
Mit meiner sehr netten Arbeitsgruppe zusammen haben wir in der ersten Woche das Haus einer Familie renoviert (vor allem wärmetechnisch mit einfachsten Mitteln isoliert). Die Familie hat weder Strom, noch fliessendes Wasser, noch Gas und nicht ein Buch im ganzen Haus gehabt. Wir haben uns sehr mit den Familienmitgliedern angefreundet, ich vor allem mit dem kleinen César. Einige Tage lang haben uns auch ein Sohnemann und seine Freunde geholfen, sonst hätten wir die Bude auch gar nicht fertig bekommen. Die zweite Woche haben wir dann einen Zaun um eine Kirche herum angelegt und in der Schule gestrichen. Die Familie, bei der wir gearbeitet haben, hat uns aus Dank und Sympathie zum Abschluss ein Schaf gekauft und geschlachtet, dass wir feierlich zusammen gespiesen haben. Die Schlachtung anzusehen war jetzt nicht unbedingt ein Appetitanreger (siehe auch Bilder), aber Vegetarier bin ich trotzdem nicht geworden.
Überhaupt war das ganze "Setting" sehr ländlich. Wunderschöne grüne Wiesen und Wälder, viele Kühe, Schafe und Hühner und der ein oder andere Bilderbuch-Sonnenuntergang. Die Kehrsaite der Medaille für mich: Allergie und Asthma, wie es mich schon lange nicht mehr geplagt hat. Auch konnte ich die Auszeichnung des Meistgestochenen für mich verbuchen.
Als einzigster Ausländer weit und breit hatte ich gar keine andere Wahl, als tief in die chilenische Kultur einzutauchen. Das bedeutete manchmal, dass man sich wegen meiner Sprachschwierigkeiten auf meine Kosten amüsiert hat. Auch bedeutete es mal wieder eine Unmenge des elendigen Reggaeton zu dessem wüsten Perreo ("Hunde-Tanz") ich mich doch mehr als einmal hab überreden lassen. Kompensiert wurden diese Unannehmlichkeiten/Unanständigkeiten durch gelegentliche Salsa-Einlagen, Kicken gegen die Dorfjugend, herzliche und vom deutschen "Onkel" begeisterte Kids und vor allem neue Freunde unter den chilenischen Studenten.
Dank derer und mit ihnen genieße ich gerade meine Tage in Valparaiso, von einer Grilleinladung über Strandbesuch zur nächsten. Bis es mich wieder an einen anderen Ort verschlägt.
Diesmal wieder mit Bildern.
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